The Hunt kommt nun nach Deutschland

Ein furchteinflößender Alptraum im Amerika der Gegenwart: der spannungsgeladene Actiontrip THE HUNT macht ihn wahr – und das unangenehm nah an der Wirklichkeit. In den USA hat der so brandaktuelle wie provokante Thriller bereits vor Kinostart eine landesweite Diskussion entfacht. Jetzt ist es an der Zeit, sich selbst ein Bild zu machen. Der Verleih strebt immer noch den 14.05.2020 als Kinostart-Termin an. Sofern die Kinos tatsächlich öffnen dürfen, wäre das ein knallharter Einstieg. Zusätzlich soll es The Hunt auch als VoD bei den bekannten Streamingdiensten zum Leihen geben.

Die Story

Zwölf Fremde kommen auf einer Waldlichtung zu sich. Niemand von ihnen weiß, wo sie sich befinden und wie sie dorthin gekommen sind. Ebenso wenig wissen sie, dass jeder und jede von ihnen ausgewählt wurde, und zwar für einen ganz speziellen Zweck: Die Jagd.

Im Schatten einer düsteren Internet-Verschwörungstheorie versammelt sich eine elitäre Gruppe erstmals auf einem abgelegenen Anwesen, um ganz normale Amerikaner und Amerikanerinnen zum Spaß zu jagen. Doch ihr perfider Plan fällt schnell in sich zusammen, denn eine der Gejagten, Crystal (Betty Gilpin, GLOW), beherrscht das grausame Spiel der selbsternannten Elite besser als sie selbst. Sie dreht den Spieß um und schaltet einen der Killer nach dem anderen aus, bis sie schließlich vor der rätselhaften Frau (die zweifache Oscar®-Gewinnerin Hilary Swank) steht, bei der alle Fäden zusammenlaufen…

Der Cast & das Team

Zur Besetzung von THE HUNT gehören auf der Seite der Gejagten Ike Barinholtz (Suicide Squad), Wayne Duvall (Lincoln), Ethan Suplee (The Wolf of Wall Street), Emma Roberts (American Horror Story), Sturgill Simpson (Queen & Slim), Kate Nowlin (Young Adult), Sylvia Grace Crim (Happy Deathday 2U) und Christopher Berry (Spider-Man: Homecoming). Amy Madigan (Gone Baby Gone) und Reed Birney (Morning Glory) spielen die Besitzer eines Gemischtwarenladens, in dem die Gejagten Hilfe suchen, während die Jäger und Jägerinnen von Steve Coulter (Annabelle 3), Glenn Howerton (It’s Always Sunny in Philadelphia), Dean West (LBJ), Steve Mokate (The Leftovers), Vince Pisani (Jumanji: The Next Level) und Teri Wyble (Jack Reacher: Kein Weg zurück) gespielt werden.

Die kreativen Köpfe hinter THE HUNT sind Jason Blum, Produzent von Get Out und der Purge-Reihe, und Damon Lindelof, Schöpfer der HBO-Serie Watchmen und Co-Schöpfer des TV-Kulterfolgs Lost. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Lindelof und seinem Watchmen-Co-Autoren Nick Cuse, während Craig Zobel (Z for Zachariah, The Leftovers) für die Regie verantwortlich zeichnet. Produziert wird THE HUNT von Blums Blumhouse Productions und Lindelof, als Ausführende Produzenten agieren Zobel, Cuse und Steven R. Molen.  

Die Kameraführung des Films stammt von Darran Tiernan (Westworld), das Szenenbild von Matthew Munn (Z for Zachariah) und die Kostüme von David Tabbert (Sergeant Rex – Nicht ohne meinen Hund). THE HUNT wurde montiert von Jane Rizzo (Z for Zachariah), während für die Musik Nathan Barr (Carnival Row) verantwortlich zeichnet. Die Stuntkoordination haben Hank Amos (Captain Marvel) und Heidi Moneymaker (Avengers: Endgame) übernommen, als VFX-Supervisor agiert Johnny Gibson (X-Men: Zukunft ist Vergangenheit) und als SFX-Koordinator Matthew „Smalls” Kutcher (Ma – Sie sieht alles).  

Die Hintergründe

Verschwörungskultur –

Paranoia-Fantasien erreichen den Mainstream

Wie viele Menschen in den Vereinigten Staaten wurden Produzent und Autor Damon Lindelof und Ausführender Produzent und Autor Nick Cuse im Zuge der Präsidentschaftswahl 2016 „besessen politisch“. Im Laufe ihrer vielen Gespräche über das polarisierte politische Klima und das wachsende Misstrauen gegenüber traditionellen Medien und staatlichen Institutionen begannen die beiden diverse Verschwörungstheorien zu diskutieren, die sich langsam aber sicher ihren Weg aus den dunklen Ecken des Internets und in das allgemeine Bewusstsein bahnten.

Besonders der plötzliche Beliebtheitszuwachs dieser unglaublichen Geschichten darüber, was wirklich unter der Oberfläche des täglichen Lebens stattfindet, faszinierte sie, so Lindelof: „Nach der Wahl fühlte es sich so an, als hätte es eine massive Gesprächsverlagerung gegeben. Und wir begannen uns sehr für Verschwörungstheorien zu interessieren sowie für die Tatsache, dass diese einstigen Randgedanken im Mainstream angekommen waren. Der Grat zwischen Verschwörungstheorie und Fakt wurde immer blasser und verschwommener, da diese Theorien fantastisch erzählt waren.“

Als eigene Geschichtenerzähler tauchte das Drehbuchduo wie selbstverständlich in diese Thematik ein und machte sich eigene Gedanken dazu, wie Cuse sich erinnert: „Wir hatten es nicht darauf abgesehen, irgendein Statement zu machen oder etwas Verschwörerisches oder Politisches zu schreiben. Wichtig war immer nur, etwas zu tun, das Spaß macht und unterhält. Wir schrieben lediglich über das, was uns interessierte, und ich denke, aufgrund des politischen Klimas und der Zeit, in der wir leben, erschien uns eine Geschichte, die sich anfühlte, als würde sie Themen aus der Realität anschneiden, die wir alle erlebten, einfach sehr viel interessanter und unterhaltsamer.“

Die furchterregende und düstere Prämisse von THE HUNT entstand aus der Ergründung der spannendsten Fragen, die den beiden während ihrer Reise durch die finsteren Ecken der Verschwörungswelt begegneten. „Wir fragten uns, woher diese Geschichten und Theorien kamen“, erläutert Lindelof. „Was für eine Art Menschen glaubten daran? Und wieso taten sie das? Der ultimative Ursprung dessen, was letztlich unsere Geschichte wurde, war: ‚Was, wenn eine dieser Außenseiter-Verschwörungstheorien nicht wahr wäre, aber die Leute, die darin beschuldigt werden, beschließen würden, sie aus Rache für das, was das Gerücht ihnen angetan hatte, wahrzumachen?‘ Von da an war es so ziemlich ein Selbstläufer.“

Was, wenn wir die Bösen sind?

Die Erzählerwartung untergraben

Angesichts der extremen Parteilichkeit und immer hemmungsloseren Feindseligkeiten zwischen der Linken und der Rechten fanden Damon Lindelof und Nick Cuse, dass es kein großer Schritt mehr war von den existierenden Verschwörungstheorien und Großstadtmythen hin zu einer Gruppe mächtiger und reicher Leute, die tatsächlich zum Spaß Jagd auf Menschen macht. „Es kann beim Schreiben manchmal ein gutes Barometer sein, wenn sich etwas aufregend schreibt und wenn es sich ein bisschen gefährlich anfühlt“, erklärt Cuse. „Das hier zu schreiben fühlte sich gefährlich an, weil es um Dinge ging, die nicht zu weit von der Realität entfernt waren. Und genau deshalb wurde es auch irgendwie gruselig, wenn wir an die möglichen Reaktionen der Leute dachten – aber dadurch machte das Schreiben auch mehr Spaß.“

Weiter inspiriert wurden Lindelof und Cuse von der neuen Gattung gefeierter Filme mit gesellschaftlichem Hintergrund, die Produzent Jason Blum mit Blumhouse Productions realisierte. „Nick und ich lieben diese Jason-Blum-Filme, ob The Purge – Die Säuberung oder Get Out“, gesteht Lindelof. „Nachdem wir Letzteren gesehen hatten, waren wir ganz begeistert davon, dass Jason und Jordan Peele demonstriert hatten, wie ein Genrefilm tatsächlich auch etwas aussagen kann. Er kann trotzdem superunterhaltsames Genrekino sein – in diesem Fall ein Horrorthriller mit einem Hauch Sci-fi darin – aber gleichzeitig wirklich heftige Themen vermitteln. Schließlich sprachen wir darüber, dass niemanden interessiert, was zwei weiße Typen aus Hollywood über den Zustand der Welt zu sagen haben – schließlich machen schon genug von uns Filme. Aber was könnten wir in einem Jason-Blum-Film sagen? Und dann, im Zuge dessen, dachten wir: ‚Was, wenn das eigentliche Thema unsere Verwirrung ist und unser Ärger über den Augenblick, in dem wir uns befinden? Und die Frage, wie unangebracht dieser Ärger ist? Vielleicht sollten wir vielmehr ein wenig wütend auf uns selbst sein als auf die Welt um uns herum.‘ Wir fragten uns: ‚Wieso nicht die reiche, weiße Elite zu den Bösen machen und von da ausgehen und sehen, was sich ergibt?‘ Und der Rest ist Geschichte.“

Obwohl Lindelof und Cuse das Drehbuch noch geschrieben hatten, bevor sie Produzent Blum überhaupt ansprachen, stellten die beiden sich THE HUNT von Beginn an als „Blumhouse-Film“ vor. „Was das für uns bedeutete“, erläutert Cuse, „war, einen abgeschlossenen Genrefilm mit einer interessanten Grundidee und hohem Production Value zu schreiben, den wir selbst so gern im Kino sehen würden.“

Mit seiner Kombination aus Action, Spannung, Drama, Satire und Horror ist THE HUNT ein Film, der sich nur schwer kategorisieren lässt, so Cuse weiter: „Dieser Film hat Horror, Spannung, Comedy, aber ist vor allem anderen Action, Action, Action, Action.“ Dafür war ein Regisseur nötig, der all das umsetzen konnte – und diesen fanden sie in Craig Zobel.

Ein Allround-Regisseur:

Craig Zobel kommt mit auf die Jagd

Damon Lindelof hatte das erste Mal von Regisseur Craig Zobel gehört, als dessen Film Compliance 2012 auf dem Sundance Film Festival lief und Empörung und Kontroversen auslöste. Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählte der Psychothriller von einem fiesen Telefonstreich bei einem Fast-Food-Restaurant, bei dem ein Mann vorgab, Polizist zu sein und eine unschuldige Mitarbeiterin (Dreama Walker) des Diebstahls beschuldigte. Stück für Stück überzeugt der Anrufer die Leiterin des Restaurants (Ann Dowd aus The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd) und andere, der jungen Frau unaussprechliche Dinge anzutun, alles unter der Annahme, dass sie schuldig ist. „Als ich davon hörte, dachte ich ‚Oooh, diesen Film muss ich sehen!‘“, gibt Lindelof zu. „Er fesselte mich von der ersten bis zur letzten Einstellung. Meiner Meinung nach lieferte Ann Dowd in diesem Film eine unglaubliche Darstellung ab, weshalb ich sie schließlich in The Leftovers besetzte. Sowie ich sie verpflichtet hatte, begannen wir darüber zu sprechen, wie grandios Compliance war, und sie meinte ‚Du musst Craig kennenlernen. Ich glaube, ihr zwei würdet euch verstehen!‘ Aber er machte mir irgendwie Angst. Ich dachte, jemand, der einen Fim wie Compliance machen kann, muss echt finster und verdorben sein. Und als ich Craig dann kennenlernte, erwies er sich als der warmherzigste, witzigste, wunderbarste Kerl der Welt. Wobei es in seinem Inneren durchaus diese Finsternis gibt, womit ich mich aber selbst voll und ganz identifizieren kann.“

Lindelof engagierte Zobel für die Regie einiger Episoden von The Leftovers, die er und Cuse gemeinsam geschrieben hatten. „Diese Episoden erwiesen sich als meine beiden Lieblingsfolgen und wir hatten eine fantastische Zusammenarbeit“, erinnert sich Lindelof. „Wir drei bildeten regelrecht eine Einheit und kommunizierten auf einer sehr hohen Ebene mit wenigen Worten und sehr viel Vertrauen.“ Als es also an die Suche nach einem Regisseur für THE HUNT ging, wusste Lindelof bereits, dass Zobel das Talent, die Empfindsamkeit und die Vision besaß, um die vielen verschiedenen Tonarten des Films zu vermischen und ins Gleichgewicht zu bringen: „Ich hatte wahnsinniges Vertrauen zu Craig, was das Material betrifft, weil er mühelos den schmalen Grat zwischen realem Nervenkitzel und Action und schrägem Humor entlang balanciert. Ich spürte, dass er genau der Typ war, der das könnte, und damit hatte ich Recht.“

Von Beginn an hatte Zobel ganz klar im Sinn, wie er die diversen Elemente und Themen des Films ins Gleichgewicht bringen würde, wie er selbst ausführt: „Ich hatte das Gefühl, wenn wir in diesem Film über die aktuelle Zerrissenheit im Land sprechen würden, müsste der Ton verspielt sein. Er sollte so angelegt sein, dass er einen zum Lächeln bringt und uns daran erinnert, uns alle kollektiv mal eine Sekunde nicht so ernst zu nehmen. Diesen Ton hinzubekommen war entscheidend. Hätten wir THE HUNT wie einen geradlinigen Horrorfilm oder Politthriller aufgezogen, wäre keines davon die beste Version des Films geworden. Den satirischen Humor einzufangen war ungemein wichtig.“

Von ihren ersten Gesprächen an wusste Zobel außerdem, dass er einen visuell umwerfenden Film machen wollte. „Es lag mir am Herzen, dass er sich wie ein Popfilm anfühlen würde. Und das durchzog alles vom Szenenbild übers Kostümbild bis hin zur Kameraführung. Ich wollte einen modernen und schicken Americana-Look, weil der den verspielten, satirischen Ton, den wir erreichen wollten, unterstrich. Hätten wir es als, sagen wir, harten Horrorfilm inszeniert, hätte das den Humor untergraben und bekämpft, und dieser Humor war maßgeblich.“ Das erstreckte sich bis hin zu der oft sehr deutlichen Gewalt. „Ich wollte, dass die Gewalt mehr mit Slapstick gemein hat als mit Hardcore-Horror, um unbedingt die Absurdität des Ganzen zu betonen“, so Zobel weiter. „Etwas in der Art des frühen Sam Raimi, ein Hauch von Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt: eklig, aber absurd und verrückt und witzig.“

Zobels Filmkollegen waren beeindruckt, wie Cuse zugibt: „Craig hatte eine fantastische Vision, die sich meiner Meinung nach in den Schauplätzen, den Kostümen und der Art des Drehs widerspiegelt. Dank ihm besitzt der Film auch Spontaneität. Ein Film wie dieser erfordert viel Energie, und es hat Spaß gemacht, zu sehen, wie Craig diese Energie am Set kreierte. Ein Teil dessen, viel Energie und Bewegung zu haben, ist manchmal mitzuerleben, was für neue Ideen jeden Tag vor Ort tatsächlich noch entstehen – wie eine zusätzliche Dialogzeile oder ein witziger Scherz – und das hat Craig sehr gut drauf. Viele der lustigsten Momente im Film fielen uns ganz spontan beim Dreh ein.“

Wichtig ist es Zobel zufolge, eine Set-Kultur zu schaffen, die Spontaneität zulässt: „Diesen Film zu drehen, war ein Riesenvergnügen. Ich glaube, das ist wichtig. Wenn man zu der Person rüber schaut, die den Kamerawagen schiebt, und die grinst oder lacht über irgendetwas und wenn alle an Bord Spaß haben, dann entsteht dadurch in meinen Augen eine Stimmung, die der Film direkt spürbar macht.“

Der Meister des abstrusen Terrors –

Jason Blum sagt zu

Die Ergründung von Verschwörungstheorien und Großstadtmythen, die Horror, Humor und Sozialkritik vereinen, ist zur Spezialität des führenden Genreproduzenten Jason Blum geworden, dem Mastermind hinter Blumhouse Productions. Als Produzent des Oscar-prämierten Blockbusters Get Out sowie der Purge-Filme und -TV-Serie war Blum die treibende Kraft hinter der Entstehung eines neuen Genres: Dem Social-Thriller – Filme, die gesellschaftliche Kommentare nahtlos mit Spannung und klassischen Elementen des Horros verweben und dabei gleichzeitig traditionelle Erwartungen und Regeln auf den Kopf stellen.

Als Blum das Drehbuch von THE HUNT las, hoffte er, dass Lindelof, Zobel und Cuse den Film mit seiner Firma realisieren würden. „Ich liebte ihr Buch und rief Damon sofort an“, schwärmt der Produzent. „THE HUNT ist eine fantastische Geschichte über erste Eindrücke und darüber, wie sehr diese täuschen können. In erster Linie ist es ein Horrorfilm, aber genauso ein satirischer Social-Thriller. In Jordan Peeles Get Out ging es um Hautfarbe, bei The Purge um Waffengesetze und bei THE HUNT um den ersten Eindruck. Es ist eine düstere Satire und ebenso ein großartiger, packender und grusliger Horrorfilm.“

Es gefiel Blum außerdem, wie unparteisch Lindelof und Cuse die filmische Politik angingen. „Er stellt sich auf keine Seite, aber er zeigt auf, wie schnell wir uns alle ein Urteil bilden. Wir wollten ergründen, wieso es überhaupt mehrere Seiten gibt. Und das ist es, glaube ich, was den Film so besonders macht.“ Noch begeisterter war Blum darüber, dass sie mit Craig Zobel einen Regisseur verpflichtet hatten, der das Drehbuch von Lindelof und Cuse optimal realisieren konnte: „Craig hatte eine sehr deutliche Vision für diesen Film. Er vereint echtes Talent sowie einen ganz speziellen Blickwinkel, war aber genauso bereit, mit uns zusammenzuarbeiten. Er hat fantastische Arbeit dabei geleistet, die besten Ideen herauszufiltern und sie in den Film einzubauen. Er war der ideale Regisseur für THE HUNT.“

(from left) Sergeant Dale (Steve Mokate) and Crystal (Betty Gilpin) in The Hunt, directed by Craig Zobel.

Ideen und Inspirationen

Ein neues gefährliches Spiel –

Inspiration von einem 30er-Jahre-Klassiker

Der RKO-Klassiker Graf Zaroff – Genie des Bösen von 1932 ist der älteste und vielleicht bekannteste Film in einem düsteren Subgenre des Thrillers und des Horrors: dem Menschenjagdfilm. In Genie des Bösen verursacht der titelgebende wahnsinnige russische Graf Zaroff (Leslie Banks) Schiffsuntergänge vor der Küste der abgelegenen Insel, auf der er lebt, damit er die überlebenden Passagiere jagen und töten kann. Der Erfolg des Films führte zu den Remakes A Game of Death (1945) und Der Sonne entgegen (1956) und kreierte ein ganzes Genre von Filmen mit dem Thema Menschenjagd, das zum inspirierenden Grundstein für Filme nahezu jedes Jahrzehnts danach wurde, darunter Der Todesmutige (1965), Beim Sterben ist jeder der Erste (1972), Die letzten Amerikaner (1981), The Game – Das Geschenk seines Lebens (1997), Battle Royale (2000) und das Franchise Die Tribute von Panem (2012-2015).

Damon Lindelof: „Es gibt eine weitreichende Tradition von Filmen, in denen Menschen zum Spaß gejagt werden, und Graf Zaroff – Genie des Bösen ist sicherlich der bekannteste. Als wir THE HUNT schrieben, schwirrten uns diverse Einflüsse durch den Kopf. So gibt es in diesem Film Elemente aus Beim Sterben ist jeder der Erste, einem Klassiker, in dem Stadtjungs völlig überfordert sind, als sie an Landjungs geraten. Der Gedanke von Personen, die in einer ihnen unbekannten Umgebung landen, wie ein Fisch auf dem Trockenen, kam vor allem von Beim Sterben ist jeder der Erste. Ich würde sagen, am besten kann man THE HUNT als spannenden Actionthriller mit einem hohen und brutalen Bodycount beschreiben, aber im Kern ist er eine Satire. Ich will auf keinen Fall überheblich klingen, aber unser Anspruch war es, etwas im Stil von Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben zu schaffen, bzw. etwas zeitgemäßer Get Out. Wir wollten das aktuelle politische Klima kommentieren, aber – so unsere Hoffnung – versteckt in einem unfassbar unterhaltsamen Trojanischen Pferd.“

Lindelof und Nick Cuse wussten, dass der Schlüssel zu einer funktionierenden Geschichte darin lag, die Motivation der Jäger und Jägerinnen zu erklären. „Wir brauchten einen wirklich guten Grund, wieso auch immer jemand Menschen jagen würde“, erläutert Cuse. Diese Begründung fanden sie schließlich im 5. Artikel der US-Verfassung – durch Regisseur Bruce Berefords spannungsgeladenen Thriller Doppelmord von 1999. Darin findet Ashley Judd als wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilte Frau heraus, dass dieser noch am Leben ist und ihr etwas anhängen wollte, woraufhin sie versucht, ihn ausfindig zu machen. Sie kann nicht zweimal für das gleiche Verbrechen verurteilt werden, daher kommt sie tatsächlich mit einem Mord davon, weil sie dessen bereits schuldig gesprochen wurde. „Wir dachten: ‚Was, wenn man diesen Gedanken auf eine Verschwörungstheorie überträgt? Sodass man bereits der Jagd auf Menschen beschuldigt wurde und diese Theorie das eigene Leben ruiniert hat – wieso dann nicht wirklich Jagd auf Menschen machen, wo doch alle bereits glauben, dass man es tut?‘“, so Cuse.

Lindelof und Cuse, die bereits an den Serien Watchmen und The Leftovers zusammengearbeitet haben, sagen, dass die treibende Kraft hinter ihrem subversiven und oft sehr schwarzhumorigen Werk im Prinzip darin lag, dass sie stets versucht haben, sich gegenseitig zu schockieren und zu amüsieren. Cuse fährt fort: „Wenn Damon und ich über eine Storyidee sprechen, versuchen wir uns jedes Mal gegenseitig zum Lachen zu bringen. Wenn wir eine Idee haben und wir beide lachen darüber, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.” 

Vertraue niemandem:

Die Entartung der Wahrheit

Die Anschuldigungen von „Fake News“ gingen hin und her zwischen Links und Rechts, was es immer schwieriger machte, zu wissen, wem man noch trauen kann, und zwischen echt und falsch zu unterscheiden. Und bei vielen Menschen wurde diese klaffende Lücke von Verschwörungstheorien gefüllt. „Als wir über Verschwörungstheorien sprachen und darüber, wieso die Menschen derart viele so wahnwitzige Theorien über die Elite oder die Gegenseite glauben, wussten wir, wir waren auf etwas gestoßen“, erinnert sich Lindelof.

Der Mangel an Vertrauen der Öffentlichkeit in die Mainstream-Medien ist in den vergangenen Jahren angewachsen, während widersprüchliche Nachrichten die Gemüter mit Teilung und Verdächtigungen erhitzen. In einer Zeit, in der es soviel Misstrauen und Anfeindungen zwischen unterschiedlichen Gruppen gibt, zeigt THE HUNT, wie es aussehen könnte, wenn unsere schlimmsten und paranoidesten Ängste über die andere Seite wahr wären – und was wir bereit wären zu tun, wenn sie es wären. In diesem digitalen Zeitalter kann eine Vermutung, eine Anschuldigung, eine Mail oder eine Textnachricht schon eine Kontroverse entfachen, einen Ruf zerstören und Leben ruinieren.

Lindelof und Cuse wollten zeigen, wie die Mutmaßungen, die in den polarisierenden Echokammern von Social Media und Dark Web entstanden sind, Verschwörungstheorien hervorgebracht haben. Und wie eine Nation, die sich einst mit robustem Individualismus und einer Schmelztiegelkultur gerühmt hat, dadurch zu einem Land von Karikaturen geworden ist. Lindelof weiter: „Der Film versucht, sich nicht in den Glaubensvorstellungen der Figuren zu verfangen, weil uns vielmehr der Gedanke von Identitätspolitik interessiert hat, sowie was wir übereinander vermuten und wie oft wir damit falsch liegen.“ Indem er die Anspannungen und die Wut zwischen Links und Rechts auf übertriebene Weise untersucht, enthüllt THE HUNT, wie oberflächlich und paranoid diese Teilung ist.

Was, wenn alle Marion Crane sind?

Hitchcocks Einflüsse auf THE HUNT

Bei der Schöpfung ihrer Erzählung waren Nick Cuse und Damon Lindelof entschlossen, ein Minenfeld aus Überraschungen zu legen, indem sie traditionelle Filmmuster entsorgten und die Erwartungen des Publikums mit jeder neuen Wendung herausforderten. „Die Zuschauer und Zuschauerinnen haben eine persönliche Geschichte mit Film und Fernsehen, und sie wissen, was sie zu erwarten haben, wenn jemand ein Spukhaus betritt“, erklärt Cuse. „Entsprechend witzig ist es, wenn die Figur die Tür öffnet, hineinsieht und dann schreiend in die andere Richtung rennt, weil das üblicherweise nicht passiert. Das Ansehen vieler Filme verleiht einem ein Gespür dafür, was erwartbar ist, daher lag das Herz des Schreibprozesses von THE HUNT darin, sich diesen Publikumserwartungen zu widersetzen. Man muss ein Muster kennen und lieben, um in der Lage zu sein, es zu unterwanden.“

Lindelof und Cuse weichen von der konventionellen Struktur ab, indem sie in den Eröffnungsminuten des Films eine Reihe von Charakteren einführen und diese dann in kurzer Zeit umbringen. Diese Parade mutmaßlicher Helden, Heldinnen und Hauptfiguren, die sehr schnell ihr blutiges Ende finden, widerspricht einem festen Grundsatz des Drehbuchschreibens: Protagonist oder Protagonistin sowie Hauptcharaktere eines Films werden in den ersten Minuten eingeführt und etabliert und bleiben dann bis zum dritten oder letzten Akt im Bild.

„Man bringt die Hauptfigur sehr selten schon früh um, weil das Publikum eine emotionale Bindung mit ihr eingehen soll – tötet man sie sofort, haben die Zuschauer und Zuschauerinnen Schwierigkeiten damit, irgendetwas zu empfinden“, erläutert Lindelof. „Aber wir dachten uns, wenn wir es in wirklich schneller Reihenfolge tun, hat das Publikum gar keine Gelegenheit, eine Verbindung aufzubauen und ist nur noch mehr daran interessiert, was wohl als nächstes passiert.“

Die Autoren wurden in ihrer Motivation von Alfred Hitchcocks Klassiker Psycho von 1960 ermutigt. Als bahnbrechendes Meisterwerk in Sachen Publikumsmanipulation führt der Film die Heldin Marion Crane (gespielt von Janet Leigh, dem größten Star des Films) in den Eröffnungsszenen ein und folgt ihr das erste Drittel des Films hindurch, nur um sie dann am Ende des ersten Aktes umzubringen. „Wenn Janet Leigh in der Duschszene ermordet wird, wird plötzlich die Nebenfigur Norman Bates zum Protagonisten des Films“, beschreibt Lindelof. „Wir fragten uns: ‚Was, wenn wir Psycho in den ersten 15 oder 20 Minuten des Films immer und immer wieder durchziehen? Was, wenn jeder Charakter, den wir vorstellen und von dem man glaubt, er oder sie wäre die Hauptfigur, umgebracht wird?‘“

Doch auch damit war es noch nicht genug. Aus der Überzeugung heraus, dass manche Genrefans sehr schnell mitbekommen würden, was hier vor sich ging, verschärften die Filmemacher die Täuschung noch, indem sie Charakteren immer mehr Zeit vor der Kamera gaben. „Vielleicht errät man es noch beim ersten Mal, doch dann passiert es wieder, und wieder und wieder“, freut sich Cuse. „Ab einem gewissen Punkt akzeptiert das Publikum einfach die Tatsache, dass diese Geschichte sie irgendwohin führt und sie keine Ahnung haben, wo das ist.“

Erst als die von Betty Gilpin gespielte Crystal eine Tankstelle am Straßenrand betritt – fast nach 25 Minuten Spielzeit – taucht die Heldin von THE HUNT endlich auf. „Wir hoffen sehr, dass das Publikum an diesem Punkt schon überzeugt ist, dass wir bereit sind, auch Crystal umzubringen, wenn es soweit kommt“, schließt Lindelof.

Die Charaktere

Femmes Fatales:

Hilary Swank und Betty Gilpin stoßen zu THE HUNT

Anders als in fast allen Genrefilmen sind die beiden zentralen Rollen in THE HUNT weiblich – die Heldin wie auch die Schurkin – und die Filmemacher mussten starke Frauen finden, die jede für sich die Leinwand beherrschen und sich letztendlich in einem finalen Duell mit Köpfchen und Muskeln gegenüberstehen könnten. „Ich liebe es, dass wir zwei weibliche Charaktere haben, die den Film tragen“, sagt Jason Blum. „THE HUNT ist wirklich ein Kräftemessen zwischen Hilary Swanks Athena auf der einen und Betty Gilpins Crystal auf der anderen Seite. Der Film endet mit einem riesigen Showdown zwischen diesen zwei Frauen, der ziemlich außergewöhnlich ist.“ Zu sagen, dass sie sich am Ende in einem gewaltigen Zweikampf gegenseitig krankenhausreif prügeln, wäre eine Untertreibung. Der kulminierende Kampf ist etwas, was wir so noch nie auf der Leinwand gesehen haben. „Sowohl Hilary als auch Betty haben in früheren Filmen und Serien bereits viel gekämpft, also brachten sie beide ausreichend Erfahrung mit“, so Blum weiter. „Außerdem sind sie sehr kräftig, beweglich und schnell. Ich glaube, Hilary und Betty haben fast den gesamten Kampf selbst absolviert. Es war großartig, mit zwei wunderbaren Schauspielerinnen zu arbeiten, die außerdem Erfahrung im Leinwandkampf hatten. Das machte diese Konfrontation um vieles glaubwürdiger.“

Der finale Showdown zwischen Crystal und Athena ist eine weitere Methode von Lindelof und Cuse, um Genrekonventionen zu brechen. Statt im großen Finale die übliche verängstigte und einsame Jungfrau in Nöten auf den Schurken treffen zu lassen, präsentiert uns THE HUNT zwei starke, intelligente und entschlossene Frauen in einem ursprünglichen Kampf auf Leben und Tod, der ganz sicher zu einem Kultmeilenstein für die Actionheldinnen der Zukunft werden wird.

„Ich freue mich vor allem darauf, dass die Leute diesen Film sehen, weil wir darin diese beiden wirklich starken Frauenfiguren haben“, erklärt Heidi Moneymaker, die Kampfchoreographin und Co-Stuntkoordinatorin des Films. „Sie repräsentieren absolute Gegenseiten. Athena ist glattgebügelt, trägt teure Anzüge und ist eine Frau, die wir als intelligent und physisch knallhart bezeichnen würden. Crystal ist geschickt, clever, sehr gut trainiert und Athena absolut ebenbürtig. Diese zwei Persönlichkeiten und Gewalten treffen am Ende aufeinander und tragen diesen massiven Kampf aus, in dem ihre Stile sehr unterschiedlich sind, aber ihre Energie und Kraft sich auf Augenhöhe befinden. Das ist wahnsinnig aufregend.“

Crystal – Betty Gilpin

In den ersten Sekunden von THE HUNT bekommt das Publikum nur einen kurzen Blick auf Crystal, doch erst als sie etwa 25 Minuten später an einer Tankstelle auftaucht, erfährt man, dass sie eine respekteinflößende Gewalt ist, die man nicht unterschätzen sollte. Gespielt von Betty Gilpin ist sie eine Frau aus dem Süden, mit verborgenen Tiefen und überraschenden Fähigkeiten. „Als ich das Drehbuch das erste Mal las, dachte ich ‚Betty Gilpin sollte Crystal spielen‘“, gesteht Craig Zobel. „Ich hatte mit ihr an American Gods gearbeitet und ich fand, sie wäre großartig.“

Dass er damit Recht hatte, sieht auch Jason Blum so: „Betty Gilpin spielt diese vermeintlich bescheidene, gewöhnliche Amerikanerin, die vielleicht nicht mal sehr schlau ist. Doch dann erweist sie sich als die klügste Person im ganzen Film sowie als außergewöhnliche Kämpferin, und eine Frau, die es quasi aus jeder noch so unmöglichen Situation herausschafft. Es ist unglaublich, dabei zuzusehen und zu beobachten, wie sie Hilary Swanks Athena, die sie grandios unterschätzt, völlig überrascht.“

Gilpin erkannte sofort, dass Crystal die Art komplexer und mächtiger Archetyp ist, der üblicherweise Männern vorbehalten ist: eine rätselhafte, strategische und tödliche einsame Wölfin – mit einem Tick Wahnsinn. „Als ich das Drehbuch las, fragte ich mich ‚Wieso haben sie diese Figur zur Frau gemacht?‘“, gesteht Gilpin. „Es ist überaus interessant, den Helden dieser Geschichte weiblich zu machen. Sie ein wenig verrückt zu machen, ein wenig veräußerlicht und zu einer Person, die niemand anderen braucht oder will, ist ebenso spannend. Crystal besitzt diesen Blick ins Leere, hinter dessen Fassade man auf gar keinen Fall blicken möchte. Ich fand es wahnsinnig cool, eine Figur zu spielen, die das Publikum niemals vollkommen kennt oder versteht.“

Die für ihre Rolle der Debbie Eagan – ehemaliger Soapstar und jetzt Wrestling-Heldig Liberty Belle – in dem Netflix-Erfolg GLOW zweifach Emmy-nominierte Gilpin ist eine Offenbarung, findet Regisseur Zobel. „Sie ist der Wahnsinn. Wir haben diesem Charakter eine ganze Hintergrundgeschichte geschrieben. Sie und ich hatten den gleichen Anspruch an Crystal. Wir wollten sie nicht zu sexy Superheldin Nr. 4 machen, wir wollten, dass sie schräg und cool ist, und immer cooler wird je länger man sie kennt. Ich erzählte Betty, dass es mein Ziel war, dass Frauen sich jedes Jahr an Halloween als Crystal verkleiden wollen.“

Zobels Filmkollegen sind seiner Meinung, so auch Nick Cuse: „Wir hatten so ein Glück mit Betty. Sie ist ist unglaublich faszinierend und reißt jede Einstellung dieses Films an sich. Jeder und jede im Publikum, die Betty noch nicht kennt, wird sich denken ‚Wow, wer ist das?!‘ Es ist aufregend, zu sehen, wie ein neuer Star geboren wird, und ich bin sicher, genau das wird Betty mit diesem Film passieren.“ Zobel war geradezu inspiriert von Gilpins Leistung: „Ich kann mir keine andere als Betty in der Rolle der Crystal vorstellen, und ich kann mich glücklich schätzen, diese Erfahrung mit ihr gemacht zu haben. Es war mir eine Freude und ich hoffe aufrichtig, dass wir in der Zukunft nochmal miteinander arbeiten.“

In ihrer ersten Szene bastelt Crystal einen Kompass aus einem Blatt und einer geraden Nadel. Sie sagt kein Wort und ist im Handumdrehen verschwunden. „Crystals Einführung sagt viel über ihre Figur aus“, so Cuse. „Sie ist vollkommen unabhängig und alles, was alle anderen auf der Lichtung erleben, ist ihr vollkommen egal. Sie hat einen sehr konkreten Plan, was sie tun möchte. Sie sitzt nicht herum und überlegt – sie macht die Richtung aus, in die sie gehen muss und dann geht sie sie. So bleibt ihr Charakter den ganzen Film über.“

Crystal ist ein Rätsel, nicht nur fürs Publikum, sondern auch für die Autoren, wie Cuse zugibt: „Crystal ist unglaublich kraftvoll und wahnsinnig verschlossen. Sie will sich nicht erklären, weil sie nicht das Gefühl hat, dass sie das müsste. Sie verwendet keine Worte, es sei denn, sie muss – sie behält ihre Meinung für sich und ist auf eine Art und Weise von sich selbst begeistert, dass es Spaß macht zuzusehen. Sie bringt sich selbst manchmal zum Lachen, aber ob jemand anders den Witz versteht, kümmert sie nicht.“

Ein Charakter, an den Lindelof und Cuse denken mussten, als sie Crystal kreierten, war Anton Chigurh aus No Country for Old Men, der von Javier Bardem gespielte bedrohliche und unaufhaltsame Killer. „Er ist wie ein Schatten oder ein Phantom, das den Film betritt und dann wieder verschwindet und man erfährt niemals seine Geschichte, und das macht irgendwie den Reiz aus“, so Cuse. Also gaben sie Crystal auch nicht viel Hintergrund. „In fast jedem Film gibt es eine Rückblende mit der Hauptfigur oder irgendeinen Moment mit einem Freund oder einem geliebten Menschen, in dem man etwas darüber erfährt, wer das ist oder wie er oder sie zu dem geworden ist, was sie ist. Nicht bei Crystal.“

Den ganzen Film hindurch bleibt Crystal stoisch, unerschütterlich und methodisch in ihrer Verfolgung der Jäger, entschlossen sie zu töten und zu entkommen. Während die Action sich entfaltet und ihre Fähigkeiten sowie ihre Stärke offenbar werden, sind es die anderen Charaktere sowie die Zuschauer und Zuschauerinnen, die sich verändern. „Crystal entwickelt sich nicht sonderlich während des Films, wie es die meisten Helden und Heldinnen tun“, erklärt Cuse. „Sie ist die beständigste Figur, und was sich entwickelt und verändert, sind die Wahrnehmungen der Personen um sie herum. Es ist cool, dass das Publikum Crystal zu keiner Zeit wirklich kennenlernt, denn so kann es auf sie projizieren, was immer es will und trotzdem noch im Unklaren bleiben, selbst nach dem Film.“

Allein Gilpin scheint sie wirklich zu verstehen: „Ich fühle mich Crystal gegenüber sehr beschützend. Sie ist eine pragmatische Person und ich persönlich glaube, dass ihr Selbstwertgefühl ziemlich am Boden ist. Sie ist niemand, die in ihrem Leben viele Privilegien hatte, die ihr Selbstreflektion gestattet hätten: ‚Von was für einer Zukunft kann ich träumen? Was für Potenzial besitze ich?‘ So etwas hat ihr das Leben nicht zugestanden. Wir alle kennen Menschen wie Crystal, Menschen, die von Tag zu Tag leben und die solche Gedanken aufgegeben haben, als sie Kinder waren. Sie möchte einfach nur von diesem Ort verschwinden und bildet sich nicht ein, dass sie sie irgendjemand anders oder die Welt retten würde. Abgesehen davon gibt es in ihrem Inneren diese Dunkelheit und diese Aufgewühltheit, die ihr zuflüstert, sie könnte die Welt retten und alle umbringen, doch das unterdrückt sie.“

In Gilpins Augen repräsentiert Crystal außerdem eine Form von vereiteltem Potenzial, wie sie weiter ausführt: „Ich halte sie für jemanden, die als Kriegerin und Revoluzzerin begonnen hat, mit echtem Potenzial, etwas Großartiges und Kraftvolles in ihrem Leben zu tun. Doch dann blieben die Umstände hinter der erwähnten Kraft zurück und sie wurde zu einer anderen Version von sich selbst.“ Kraftvoll, strategisch, methodisch und tödlich.

Crystal lässt sich jederzeit von ihrem Kopf führen, nie von ihren Emotionen, und schließlich erfahren wir, dass sie einen militärischen Hintergrund besitzt. „Unsere Stuntkoordinatorin Heidi Moneymaker holte einiges Marine, die mich trainieren sollten, und eine von ihnen erwähnte das sogenannte Kuchendenken“, erklärt Gilpin. „Wenn man zum Beispiel einen Raum betritt, betrachtet man jeden Teil davon als Kuchenstück und nimmt ihn so Stück für Stück in sich auf. Man seziert ihn, bricht ihn in separate Teile auf. Das ist sehr nützlich, wenn jemand traumatisiert ist und sich sagen kann ‚Alles, was wir heute tun, ist Kuchendenken. Wir denken zuerst an diesen Teil meines Tages, dann an diesen Teil meines Tages, dann an diesen Teil.“

Gilpin spielt Crystal in gewisser Weise paradox. Sie erscheint als die einfallsreichste und tödlichste all der Gejagten, doch ihr stählernes und verschlossenes Verhalten liegen nicht nur in ihrer Militärausbildung begründet, sondern auch in Traumata und Enttäuschungen. Sie besitzt eine düstere und unbeständige Energie, die sie nicht länger zurückhalten muss. Dazu wieder Gilpin: „Den ersten Teil des Films hindurch denkt Crystal ‚Ich setze dieses Ding in mir drinnen nicht frei, weil ich nicht in der Lage sein könnte, es zu kontrollieren. Ich habe es so lange unterdrückt, ich weiß nicht, was passiert, wenn ich es von der Leine lasse. Also drücke ich es weiter runter und konzentriere mich auf das Kuchendenken, um hier rauszukommen. Ich werde keine Heldin sein. Ich muss hier raus.‘“

Gilpin glaubt außerdem, dass Crystals Fähigkeit zu überleben ein Reflex war, der ihr in ihrer Militärausbildung eingeimpft wurde: „Ich glaube, die Regeln, die seit ihrer Zeit im Dienst in ihr verankert sind, behalten die Kontrolle über diesen aufgewühlten schwarzen Ozean in ihrem Inneren und fokussieren ihn.“

Gilpin zufolge ist Crystal einzigartig unter allen Frauen, die sie je dargestellt hat. „Lange Zeit habe ich Charaktere gespielt, die die Frau oder die Freundin an der Seite des Mannes waren, der das irre Monster entfesselt. Ich war diejenige, die fragen musste ‚Hey, bist du in Ordnung?‘, wenn der Mann die Frau oder Freundin ausgeschlossen hat, weil in seinem Inneren ein Ozean tobt und man nicht zu ihm durchdringt. Also sagt sie ‚Ich mach‘ dir einen Tee.‘ Aber es gibt so viele Frauen, die denken ‚Ich könnte gerade auch einen Stuhl durch ein Fenster werfen!‘ Oder ‚Ich fühle mich während eines Tages auch wie 100 verschiedene Personen.‘ GLOW hat mir sicherlich die Tür geöffnet, was das Kämpfen angeht – da war ich in der Lage, auf einen Tisch zu springen und einen Stuhl zu werfen. Aber seltsamerweise fiel Crystal mir sehr viel leichter als die Hausfrau mit dem unterstützenden Lächeln und dem Baby und dem Wäschekorb in den Armen.“

Alles an Crystal ist unerwartet, sogar ihr Name, meint Lindelof: „Wir haben sie Crystal getauft, weil wir das Gefühl haben, dass Menschen sich eine Meinung bilden, wenn sie diesen Namen hören. Er klingt sehr zerbrechlich und diese Figur ist das genaue Gegenteil von zerbrechlich. Das demonstriert, wie unglaublich falsch Annahmen sein können.“

Während der Dreharbeiten konnte Cuse die Wirkung beobachten, die Crystal auf Gilpin hatte: „Betty hat den Gedanken, dass ihr Körper eine Waffe war, völlig in sich vereinigt. Sie verwandelte sich komplett in diese Version von Jason Bourne, die irgendwie aus der hintersten Provinz von Mississippi kommt.“ Und irgendwo in Kroatien in Anton Chigurh gerannt ist.

Athena – Hilary Swank

Den ersten flüchtigen Blick auf die von Hilary Swank gespielte Athena bekommt das Publikum in einem Privatflugzeug, als sie so ruchlos wie effektiv eine Krise beendet, die aufzulösen niemand sonst an Bord gewillt oder in der Lage gewesen zu sein scheint. „Wir fanden, das war die perfekte Methode, um ihren Charakter vorzustellen“, sagt Nick Cuse. „Selbst unter diesen reichen, verdienten, mächtigen Leuten steht sie nochmal einen ganzen Rang höher.“

Athena – das Genie hinter der Jagd – ist eine Selfmade-Milliardärin und ehemalige CEO, die man die meiste Zeit des Films nicht sieht, während sie ihren Jägern über Walkie-Talkie allein mit der Kraft ihrer Stimme und ihrem unerschütterlichen Willen Anweisungen erteilt. Athena ist allgegenwärtig und sie ordnet sich niemandem unter, niemals. Benannt nach der griechischen Göttin der Weisheit, ist Athena eine natürliche Anführerin, deren heftiges Verlangen nach Rache nur von ihrem methodischen Vorgehen erreicht wird, mit dem sie ihren sadistischen Plan vorbereitet und durchgeführt hat. Athenas Stöckelschuhe tragende und tödliche Effizienz in ihrer ersten Szene wird sicherlich schnell eine der denkwürdigsten Einführungen einer Leinwandschurkin überhaupt werden. Sieht man die Szene, ist es sofort unmöglich, sich jemand anderen als Swank in der Rolle vorzustellen.

„Es gibt einen Grund, wieso Hilary Swank zweimal einen Oscar gewonnen hat“, schwärmt Craig Zobel. „Sie ist der Wahnsinn. Das hier ist nicht die Art Rolle, wie sie sie vorher gespielt hat, aber sie beherrscht es sehr spezifische Figuren darzustellen. Sie war perfekt für die Athena, denn selbst, wenn sie nicht lange auf der Leinwand zu sehen ist, hinterlässt sie einen ungenießbaren Nachgeschmack, und Hilary weiß ganz genau, wie man das tut. Sie tut es jedes Mal. Außerdem“, fügt Zobel lachend hinzu, „ist sie knallhart, was die Physis angeht. Ich meine, sie ist ein Karate Kid!“

Swank beeindruckte das gesamte Filmteam, wie auch Cuse betont: „Sie ist umwerfend, sowohl was ihre Präsenz angeht, wie auch ihre körperlichen Fähigkeiten. Das war entscheidend für diese Figur, weil Athena gegen unsere Heldin antritt und uns ernsthaft Angst machen muss, ob Crystal es lebendig da herausschafft oder nicht.“

Genau wie Crystal ist Athena ein Rätsel und ihre Hintergrundgeschichte wird nie erläutert. Zur Eröffnung des Films sieht man eine Textkonversation, in der Athena und ein paar ihrer Freunde darüber scherzen, zum Spaß verschiedene Arten von Menschen zu jagen. Als dieser Austausch später öffentlich wird, nachdem das Email-Konto eines Kollegen gehackt wurde, geht dieser Chat viral und Athena ist ruiniert. Sie wird vom Vorstand der Firma, die sie gegründet hat, gefeuert, sie verliert ihre Macht, ihre Position und ihr Ansehen. Alles, was sie erreicht hat, ist ruiniert. Sie ist entschlossen, Rache zu nehmen. Die Verschwörungstheorie über Eliten, die zum Spaß Menschen auf einem Privatgrundstück jagen, war eine Lüge, doch sie wird sie jetzt wahr machen.

Swank betrachtet Athena als Perfektionistin, jemand ohne Geduld für andere Menschen, die sich selbst keine Exzellenz abverlangen. Athenas Charakter spiegelt sich in ihrer majestätischen Haltung wider, der Art wie sie sich bewegt, wie sie spricht, sich anzieht und lebt. Swank war es so wichtig, wie Athena sich benimmt, dass sie vor dem Dreh ein Widerstandstraining absolvierte.

Als Athena und Crystal im finalen Kampf des Films aufeinandertreffen, ist Athena überzeugt, dass sie daraus als Siegerin hervorgehen wird. Schließlich hat sie trainiert und sich vorbereitet, sie hat ihre Hausaufgaben gemacht und sich und anderen unzählige Male bewiesen, dass sich ihr niemand in den Weg stellt – und ganz sicher keine blondierte Autovermietungsangestellte aus Mississippi. Athenas einziger Schwachpunkt ist, dass sie überzeugt ist, immer die klügste Person im Raum zu sein… bis sie es nicht ist.

Staten Island – Ike Barinholtz

Ein Mitglied der Kerngruppe der Gejagten wird aufgrund seines Herkunftsortes nur Staten Island genannt und von dem unnachahmlichen Ike Barinholtz gespielt. Traurigerweise erfahren die meisten Gejagten nie die Namen der anderen. (Wer hat Zeit für Nettigkeiten, wenn um einen herum Köpfe explodieren?) Staten Island ist ein nüchterner Typ und das erste Mitglied der Gejagten, das dahinterkommt, wieso sie alle verfolgt und ermordet werden. „Ihr wisst, was das ist, oder? Das scheiß Manorgate.“ erklärt er den anderen, als er sie über einen Zaun und von dem Kugelhagel und den fliegenden Pfeilen wegführt. „Das gibt‘s wirklich?“ fragt jemand anders zurück.

Staten Island führt seine kleine Truppe zu einer örtlichen Tankstelle, wo er tapfer versucht, die Krise zu bewältigen, Leben zu retten und die Behörden zu informieren. Er ist die Art Typ, der das Kommando übernimmt und dessen Paranoia soeben bestätigt wurde, wenngleich auf die furchterregendste Art und Weise.

Die Erkenntnis, dass eine der Geschichten über die Verdorbenheit der reichen und mächtigen Eliten, die Staten Island online gelesen und geteilt hat, tatsächlich der Wahrheit entspricht, unterstreicht in der Erzählung des Films, wie extrem die Überzeugungen auf beiden Seiten der politischen Teilung geworden sind. „Der Film zeigt sehr extreme Versionen von Menschen aus dem gesamten Spektrum, doch er ist sich dessen bewusst und nimmt keine Seite ein“, so Barinholtz, der sich von der Tiefe und Komplexität im Drehbuch zu der Rolle hingezogen gefühlt hat. „Ich bin nicht der Typ, der einen Film machen will, wo ich eine Waffe halte, das Magazin lade und sie abfeuere und so. Aber wenn man kommentieren oder ergründen kann, wieso unsere Kultur zum Beispiel Waffen so fetischisiert, dann finde ich das spannend. Die Leute können sich diesen Film ansehen und gefesselt und gegruselt und unterhalten werden, aber es ist genauso sehr überzeugende Sozialkritik vorhanden, die all das durchzieht.“

Obwohl der satirische Ton und die überzogene Wirklichkeit des Films die Figuren als Archetypen präsentieren, wollte Barinholtz sichergehen, dass seine Figur mehr als nur ein Klischee ist. „Als ich mit Craig Zobel über diesen Charakter sprach, fand ich es wichtig, ihn nicht zu einer Zeichentrickfigur zu machen. Der Film hat eine ganze Reihe von extremen Figuren, deshalb hielt ich es für wichtig, dass das Publikum ein wenig Empathie und Schrecken für diese Leute empfindet, die gejagt werden. Ich wollte, dass Staten Island ein Typ ist, den man kennt, und auch wenn man seine Ansichten nicht mag, ist er trotzdem ein menschliches Wesen mit einer Familie und Freunden. Er ist ein Sohn, ein Vater und ein Ehemann. Das war es, worauf ich mich wirklich konzentrieren wollte.“

Yoga Pants – Emma Roberts

Emma Roberts spielt eine scheinbar liebenswerte junge Frau ohne echte Überlebensfähigkeiten, aber mit der Gabe, Verbündete zu finden. Als sie auf der Lichtung aufwacht, tut sie sich mit einem Fremden zusammen, nachdem sie einen Schlüssel findet und sie sich gegenseitig befreien. „Wenn wir ihr begegnen, befindet sie sich im Wald, hat einen Ballknebel im Mund und trägt diesen blauen Freizeitanzug“, beschreibt Roberts es. „Die Gegenüberstellung dieses Outfits mit dem Wald, den Feldern und der ganzen Szenerie ist einfach echt schräg, was perfekt zum ganzen Film passt.“

Sie ist die erste, die im Wald aufwacht, die erste, die begreift, dass sie und die anderen gejagt werden, und auch die erste, die… na ja, sagen wir, sie warnt das Publikum, dass dieser Film die Regeln bricht. „In den ersten paar Minuten des Films merkt man, dass hier keine Gefangenen gemacht werden und dass niemand sicher ist“, so Roberts.

Die Gejagten – Namenlose Helden und Heldinnen

Der Großteil der Gejagten hat keinen Namen und die meisten finden gewaltsame Enden. Doch so kurzlebig ihre Zeit auf der Leinwand auch ist, viele beweisen selbstlosen Heldenmut. „Wir haben einige Charaktere, die heldenhaft beschließen, zu ihren eigenen Bedingungen zu sterben“, erläutert Nick Cuse. „Eine Figur wird von einem Pfeil getroffen, als sie schon fast über den Zaun ist und beschließt, sich auf ihren Angreifer zu stürzen, statt zu versuchen, zu fliehen. Eine andere riskiert ihr Leben für jemanden, den sie gerade erst kennengelernt hat. Selbst, wenn man sie nicht lange sieht, wollten wir diesen Charakteren Momente geben, die selbst im Kleinen offenbaren, wer sie sind.“

Für Cuse war der erfreulichste, überraschendste und beeindruckendste Teil der Produktion, die Besetzung dabei zu beobachten, wie sie das Innenleben und die Hintergründe ihrer Figuren kreierten, wie er zugibt: „Diese unglaublichen Schauspieler und Schauspielerinnen verliehen diesen Charakteren eine solche Tiefe. Ich war umgehauen. Ihr Verständnis für ihre Figuren erlaubte es ihnen, unzählige kleine Momente und Scherze in den Film einzubringen, die ich nicht erwartete hatte.“

Craig Zobel und seine Kollegen ermutigten die Darsteller und Darstellerinnen, genau das zu tun und diese Figurenspezifität und Individualität bewusst auch in ihre Garderobe zu integrieren. „Es gibt eine Version dieses Films, in der die Gejagten allesamt karierte Hemden und Basecaps tragen und die Jäger allesamt in schwarzes Dolce & Gabanna gekleidet sind“, so der Regisseur. „Aber ich war begeistert, herauszuarbeiten, wie ich möglichst viel Geschichte über jede Figur erzähle und Variationen zwischen ihnen allen schaffe, Jägern und Jägerinnen wie Gejagten. Indem man jede Person anders anzieht, lässt man das Publikum nicht zur Ruhe kommen. Es ist nicht sofort klar, was die Gejagten miteinander gemeinsam haben, und das macht es schwerer zu verstehen, was die Jäger wirklich vorhaben.“ Ein Outfit kann viel über eine Figur vermitteln. „Besonders, wenn man sie nach so kurzer Zeit umbringt“, lacht Zobel, „ist es eine effektive Methode, um ein paar grundlegende Fakten über einen Menschen preiszugeben.“

Das funktionierte allerdings ein wenig zu gut. Obwohl Cuse und Lindelof in den ersten Szenen des Films viele Figuren bewusst ermordeten, ertappten sie sich dabei, dass sie sich in die Charaktere – und ihre Darsteller und Darstellerinnen – verliebten und bedauerten, dass diese so früh im ersten Akt ihr Leben ließen. „Ich ärgerte mich wirklich über mich selbst, dass wir sie so schnell umbrachten, weil wir sie tatsächlich liebten und ihnen weiter zusehen wollten“, gesteht Cuse. „Sitzt man im Publikum, mag man sie und drückt ihnen die Daumen, was gut ist. Das macht es noch überraschender und unerwarteter, wenn sie schneller ihr Ende finden, als man geglaubt hat.“

Die Gejagten kennen einander nicht. Ihre einzige Verbindung ist, dass sie alle offen für Verschwörungstheorien waren und eine ganz bestimmte im Internet geteilt haben. Zusätzlich zu Crystal, Staten Island und Yoga Pants gehören Don (Wayne Duvall) und Gary (Ethan Suplee) zu den Gejagten, die sich beide im Laufe des Films mit Crystal zusammentun – bzw. ihr hinterherlaufen, was sie zulässt. „Diese Leute sind nicht die Schöpfer der Verschwörungstheorie, sondern die Boten – diejenigen, die sie weitergetragen haben“, so Damon Lindelof. „Vielleicht haben sie nicht einmal an deren Wahrheit geglaubt, doch jetzt, wo sie selbst Freiwild sind, tun sie es ganz sicher.”

Die Jäger und Jägerinnen:

Bewaffnet und viel zu wachsam

Wenn wir die Jäger das erste Mal treffen, fliegen sie mit einem Privatjet, essen Kaviar, trinken Champagner und amüsieren sich. Dazu Damon Lindelof: „Die Jäger sind eine reich begüterte Elite mit guten Verbindungen, die glauben, sie stehen über den Regeln und sie schreiben die Regeln. Sie haben eine sehr hohe Meinung von sich selbst und können sich nicht vorstellen, dass die Leute, auf die sie Jagd machen, schlauer sind als sie.“

Wenn es um Schusswaffen geht, wissen sie allerdings überhaupt nicht, was sie da tun. Ihre Entscheidung, die Gejagten zu bewaffnen, ist lediglich Teil ihres sadistischen Plans, für Ausgeglichenheit auf dem Spielfeld zu sorgen. „Die Jäger und Jägerinnen glauben, dass sie derart überlegen sind, dass es keine große Herausforderung wäre, diese unbewaffneten Leute zu erschießen – ganz zu schweigen von unfair“, ergänzt Nick Cuse. „Damon und ich haben versucht, uns vorzustellen, wie die Jäger das aufziehen würden und wir kamen darauf, dass sie vorab Kevin – Allein zu Haus gesehen haben und dann Ideen zu den verschachteltsten, kaputtesten Wegen ausgetauscht haben, um die Gejagten zu töten.“

Weil sie keine Ahnung davon haben, was sie tun, haben sie einen Waffenexperten engagiert, der von Steve Mokate gespielt wird – als eine Art Fünf-Sterne-Safari-Guide für ihren Blutrausch. Die meiste Zeit des Films über sind die Jäger – dargestellt von Steve Coulter, Glenn Howerton, Dean West, Vince Pisani und Teri Wyble – nicht zu sehen, mit Ausnahme von Ma und Pop, die sich als Angestellte einer Tankstelle ausgeben, in der die aus dem Wald geflohenen Gejagten Hilfe suchen, unwissentlich, dass es sich um eine Falle handelt. Gespielt von Amy Madigan und Reed Birney, sind Ma und Pop der erste Hinweis für das Publikum, was den Maßstab und Umfang des Spiels der Elite angeht.

„Ma und Pops Tankstelle ist eine Gelegenheit für die Jäger, in die Rolle ihrer Opfer zu schlüpfen, und das macht ihnen sichtlich Freude“, so Cuse. „Sie tun gern so, als wären sie die Leute, die sie umbringen wollen, kurz bevor sie das auch tun.“ Stetig geben sie sich ihrer Beute zu erkennen, stellen bspw. Fragen dazu, wieso irgendjemand sieben Waffen braucht, oder geben ihre wahren Ansichten zu Abtreibungsrecht, globaler Erwärmung oder den Gefahren des Konsums von Milchprodukten zum Besten, bevor sie ihre Opfer ermorden. „Sie betrachten es fast als moralisches Gebot, sich zu erklären, bevor sie diese Leute erledigen, deren Todesurteil sie bereits unterschrieben haben“, fährt Cuse fort. Wären die Jäger und Jägerinnen nicht bewaffnet, wären sie an der Grenze zum Lächerlichen, so oft wie sie gegenseitig ihre Sprache korrigieren und sich beschuldigen, genderspezifisch zu denken, während sie mit Massenabschlachtung beschäftigt sind. Das ist vernichtende Gesellschaftssatire und rabenschwarzer Humor vom Feinsten.

Die Schauplätze

New Orleans:

Wie man die Mondsichelstadt zu Kroatien macht

Auch wenn die Gejagten es in der ersten Hälfte des Films nicht realisieren, wurden sie aus den USA gebracht und werden in einer abgelegenen Gegend in Kroatien gejagt. Der Film musste im Spätwinter gedreht werden, doch da der Großteil der Szenen im Freien spielt, brauchten die Filmemacher grüne Landschaften. Es gab nur einen Ort, der den Außendreh beherbergen konnte, sowie über die entsprechende Produktionsbasis, erfahrene Crews und die benötigten Locations verfügte: New Orleans in Louisiana.

„Wir wussten, dass wir im Februar und März 2019 drehen würden und wollten so viel Grün wie möglich in die Geschichte einarbeiten, also drehten wir den gesamten Film um New Orelans herum“, erklärt Szenenbildner Matthew Munn. „Wir fanden wahnsinnig realistische Drehorte und jede Location, die wir filmten, hatten wir bei unserem ursprünglichen Scouting im Oktober 2018 entdeckt. Craig Zobel und ich konnten kaum glauben, wie einfach diese Orte zu finden waren.“

Während die Produktion eine relativ niedrige Anzahl an Locations benötigte, mussten diese allerdings ein breites Spektrum von Looks und betont unterschiedlichen visuellen Stilen abdecken. Munn fährt fort: „Es gibt nur etwa fünf oder sechs wichtige Schauplätze, doch die besitzen eine ziemliche Bandbreite an Looks. Wir wollten das Gefühl einer Reise aus Crystals Perspektive vermitteln, also brauchten wir diverse Locations, die sich zu Beginn sehr speziell anfühlen, bis hin zu dem Ort, wo sie sich am Ende wiederfindet. Auch wenn wir nur fünf oder sechs Plätze hatten, brauchten wir Züge und Betriebshöfe, einen Grenzübergang und ein Flüchtlingscamp, Wald und Felder, ein Anwesen auf dem Land, ein hochmodernes Büro und eine Tankstelle mit Gemischtwarenladen am Straßenrand.“

Und die Anforderungen an diese Tankstelle waren sehr spezifisch: „Wir wollten eine von diesen vergessenen kleinen Seitenstraßen. Es musste ein sehr abgelegenes Stück Straße sein. Wir mussten das Gefühl schaffen, dass die Gejagten nirgendwo anders hinkönnten als zu diesem Ort, der wirken sollte, als wäre er ein guter Unterschlupf im Sturm. Alles musste sich abgelegen anfühlen, aber gleichzeitig blieb unsere Basis New Orleans leicht erreichbar. Hinzu kommt, dass wir eine wahnsinnig gute Crew zur Verfügung hatten. Es war ein tolles Erlebnis.“

Die Filmemacher wollten die verschiedenen Landschaften einsetzen, um Verwirrung zu stiften und das Publikum aus der Bahn zu werfen. „Allermindestens wollten wir, dass jedes neue Kapitel des Films das Publikum denken ließ ‚Wo bin ich?‘“, so Munn weiter. „Es war uns wichtig, dass wir den Zuschauern und Zuschauerinnen an jedem neuen Ort einen kleinen Schock versetzten, damit sie sich neu orientieren müssten, um herauzufinden, was vor sich geht. Wir waren an Bord dieses luxuriösen Privatjets gewesen, dann plötzlich sind wir zwischen Wald und Wiesen. Und auf all diese grünen, wundervollen Landschaften folgt dieser abgelegene Laden auf dem Land. Und wenn wir dann zu dieser aufwendigen Kranfahrt ins Flüchtlingslager schneiden, ist das super, denn man denkt ‚Okay, das ist jetzt was völlig anderes.‘ Unser Ziel war es, die Leute ständig im Unklaren darüber zu lassen, was der nächste Schritt wäre.“

Um dieses Gefühl zu schaffen, stellten sich Regisser Craig Zobel, Kameramann Darran Tiernan und Munn bei der Suche nach jeder Location eine Reihe von Fragen. „Völlig egal, wo wir waren – solange wir uns wunderten ‚Ich habe keine Ahnung, woher das jetzt kommt‘ oder ‚Ich weiß nicht, wie man das verbinden soll‘, wussten wir, dass wir auf der richtigen Fährte waren“, erinnert sich Munn. „Athenas Büro war ein hervorragendes Beispiel dafür. Wir suchten lange Zeit nach dem richtigen Design des Büros. Als wir schließlich unseren Drehort fanden, gingen wir hinein und sagten alle drei gleichzeitig ‚Keine Ahnung, was sie arbeitet, aber es fühlt sich wichtig an.‘ Das war unser Gedanke: Es besitzt die Insignien des Wohlstands, aber wenn man es sich ansah, konnte man unmöglich in Erfahrung bringen, womit sie tatsächlich ihr Geld verdiente.“

Zobel und Munn sprachen schon früh über die Tatsache, dass das Setting des Films nicht ist, was es sein sollte. „Man soll glauben, dass man an einem bestimmten Ort ist und nach der Hälfte des Films merkt man, dass man ganz woanders ist“, so Munn. „Craig gefiel die Idee ungemein. Viele Serien und Filme, die im Südosten der USA spielen, wurden in Wahrheit in Osteuropa gedreht – da hat es Spaß gemacht, das einmal umzudrehen.“

Das Szenenbild

Jenseits von Rot und Blau:

Wie THE HUNT mit Farbe arbeitet

Um die verschiedenen und trotzdem miteinander verbundenen Locations der Geschichte zu verflechten, wollten Craig Zobel und Matthew Munn einen opulenten, visuellen Stil kreieren, der Farben und Texturen auf symbolische Weise verwendet. Dazu wieder Munn: „Wir führten viele Konzeptgespräche über die zugrundeliegenden Themen des Drehbuchs und natürlich wanderten unsere Gedanken sofort zu Rot und Blau. Wir wollten Wege finden, wie wir damit spielen konnten, um zu helfen, diese Farben zu betonen und mit anderen zu verstärken, damit es natürlich und nicht überladen aussehen würde.“

Um auch hier bei der Umkehrung der filmischen Muster zu bleiben, entschieden Zobel und Munn sich, Rot und Blau auf unerwartete und surreale Weise in der Gestaltung und der Lichtsetzung einzubauen. „Bei Requisiten und Ausstattung machten wir Blau und Rot zu Anzeichen für Probleme, Dingen, bei denen man misstrauisch werden sollte, Dingen innerhalb der Geschichte, die Gefahren darstellten“, erläutert Munn. „Die Brechstange neben der Holzkiste ist tiefrot, ebenso der Waffenwagen, der sich darin verbirgt. Die Donuts im Laden der Tankstelle sind blau verpackt und wir verwendeten eine blassblaue Palette im Inneren von Athenas Anwesen.“

Zobel und Munn wollten diese Farben schon früh im Film etablieren und dann damit spielen, damit sie später vertauscht werden könnten. „Wir haben den Film hindurch die Grundlage geschaffen, damit wir sowie wir in Athenas Haus sind, erdigere Töne, Braun, Gelb und Weiß nutzen könnten, denn am Ende des Tages sollte Athenas Anwesen sich superstylish anfühlen“, führt Munn weiter aus. „Sowohl Craig als auch ich wollten, dass es sich wie ein supermodernes Zuhause mit einem hübschen und eleganten Touch anfühlt.“

Grün zu filmen ist nicht einfach:

Die Herausforderungen eines Außendrehs

Die Filmemacher setzten sich über weitere traditionelle Horrorgenremuster hinweg, indem sie den Film hauptsächlich im Freien und am Tage spielen ließen, was sie wiederum beides vor ganz eigene Herausforderungen stellte, die Munn weiter erläutert: „Wenn viel Grün vorhanden ist, muss man von einem Szenenbildstandpunkt aus ausknobeln, wie man sich da hineinkniet und es schafft, dass die Dinge sich von diesem Hintergrund absetzen.“

Das andere Problem war es, Anspannung und die Angst zu kreieren, ohne sich an Dunkelheit und archetypische Horrorelemente wie leere Straßen und verlassene Gebäude zu halten. „Für gewöhnlich kann man die Spannung allein durch die Tatsache steigern, dass man nicht sieht, was nachts vor sich geht. Craig hat es geschafft, sehr viel Anspannung mit der Art zu schaffen, wie die Charaktere miteinander umgehen, sowie der Tatsache, dass man nie wirklich zu wissen scheint, wem man trauen kann und wer zu welcher Seite gehört.“ Wenn die Jagd beginnt, lernt das Publikum schnell, dass es weniger das Unsichtbare und im Dunkeln lauernde ist, das man fürchten sollte, als vielmehr das, was im Tageslicht gut zu erkennen aber nicht ist, was es scheint.“

Eine Reise mit dem Flugzeug:

Die Gefahren des Privatfliegens

Die Filmemacher wollten gleich zu Beginn auf optisch provokante Weise die Jäger einführen und den Look und Ton des Films etablieren, wie Nick Cuse ausführt: „Nichts schreit so sehr wahnsinnig, wahnsinnig reich wie ein Privatflugzeug. Als wir es geschrieben haben, dachten wir, dass eine Szene mit den Jägern in einem Privatjet helfen würde, zu zeigen, dass sie nicht nur zu den 1% gehören – das hier ist 1% dieses einen Prozents.“

Die Innenaufnahmen der Flugzeugsequenz wurden im Zuge weniger Tage in einer Studiobühne in den Starlight Studios von East New Orleans gedreht. Nach der Diskussion darüber, wie man das Rot-und-Blau-Farbschema in die Szenen einbringt, entschieden Zobel, Kameramann Darran Tiernan und Munn, es über die Lichtsetzung zu tun. „Wir beschlossen, rotes und blaues Licht in der Maschine zu verwenden, also bauten wir mehrere LED-Lichter ein“, erklärt Munn. „Und Darran ging ganz darin auf, indem er Rot am Boden und Blau an der Decke verwendete, was der ganzen Szene ein surreales und bedrohliches Gefühl verlieh.“

Mithilfe texturierten blauen und roten Glases erweiterten sie die Stimmung und betonten das Drama. Munn weiter: „Wenn Darran Licht durch das Glas wirft, dann verursacht das einen echt verrückten Effekt. Zum Beispiel sind wir in Athenas Schlafzimmer und die Tür ist zu und wir hören all diese Geräusche, ein Ringen, und das texturierte Glas verschleiert die Sicht auf das, was draußen vor der Tür, in der Hauptkabine der Maschine passiert. Wenn sie die Tür öffnet, spüren wir, dass am Ende eines langen Flurs etwas vor sich geht, während wir aus ihrem Blickwinkel darauf zugehen. Ich liebe auch, wie das texturierte Glas an den Türen des Konferenzraums im Flugzeug aussieht, wenn der Arzt hinter sich die Tür schließt. Seine Silhouette wird ganz seltsam und undeutlich, während er weggeht. Das fügt ein schön bedrohliches Element hinzu.“

Tödliche Idylle:

Die Aufklarung der Lichtung

Regisseur Craig Zobel wollte, dass der Moment, wenn die Gejagten aus ihrer Betäubung aufwachen, die beunruhigenden und surrealen Empfindungen wiederspiegelt, die sie erleben. Und der Anblick einer großen mit Waffen gefüllten Holzkiste im Mittelpunkt einer saftigen grünen Wiese war genau die Art sonderbarer und provokanter Anblick, den er wollte. Die lautlose Schönheit der Wiese fungiert als Gegengewicht zu dem Pistolenfeuer, den Explosionen und dem Blutbad, das sich kurz darauf entfaltet. „Uns gefiel die Idee, dass dieser so schöne Ort in Kontrast zu dieser sehr grusligen Situation steht“, so Nick Cuse. „Dieser Kontrast kam uns ungemein spannend vor. Diese Lichtung hat etwas sehr Üppiges und Grünendes, und das deutet erst einmal auf Leichtigkeit hin. Es ist keine trostlose Winterlandschaft mit totem Gras und kahlen Bäumen, die man vielleicht eher in diesem Genre sehen würde.“

Die Filmemacher hatten sich die Wiese in Bush, Louisiana das erste Mal im Oktober 2018 angesehen, fünf Monate vor Drehbeginn. Es erfüllte ihre Bedürfnisse für die Sequenz, weil es eine abgelegene Location war, an der sie außerdem am Rande eines Plateaus ihren Jägerunterschlupf fanden. „Die Topografie des Ortes war sehr schön“, erinnert sich Matthew Munn. „Es gab viele immergrüne Bäume drum herum, also wussten wir, dass wir den Unterschlupf und jegliche Zeichen von Zivilisation problemlos verstecken konnten. Das Gras bereitete uns allerdings Kopfzerbrechen.“

Im Oktober verdorrte das Gras bereits und als das Team im Januar zurückkam, war es komplett braun. Da der Drehplan das Filmen in den Wintermonaten Februar und März vorsah, wusste Munn, er würde neues Gras pflanzen müssen, um das idyllische Grün zu bekommen, dass sie sich für den Film vorgestellt hatten: „Wir pflanzten Lolch im Februar. Tatsächlich sogar in zwei Runden. In der ersten gruben wir den gesamten Boden um und bepflanzten über 100 Hektar mit Gras. Etwa zwei, drei Wochen später kamen wir zurück, um es uns anzusehen und säten noch einmal eine zweite Runde. Dann ließen wir die Natur machen.“ Als die Produktion im März 2019 zum Drehen zurückkam, „fanden wir langes und üppiges Gras im herrlichsten Neongrün vor, das ich in meinem ganzen Leben gesehen hatte“, so Munn weiter. „Es war wahnsinnig kräftig und bewegte sich wunderbar im Wind.“

Der Dreh vor Ort nahm vier Tage in Anspruch, einschließlich einiger Nachtdrehs, in denen man die Außenaufnahmen des Jagdunterschlupfes filmte. Zwischen dem Bepflanzen und dem Wachsen des Grases bis hin zu Drehschluss war das Feld monatelang für die Bevölkerung gesperrt. Doch Munn hoffte, dass es die Leute für die Wartezeit entschädigen würde, wenn sie erst vorfinden würden, was der Grund für die Absperrung war. „Die Wiese gehörte zu einer großen Farm und unsere Lichtung war eine der Viehweiden. Wir hatten die Kühe von ihrer Wiese vertrieben und sie mussten drei oder vier Monate lang woanders grasen, also hoffen wir, dass sie bei ihrer Rückkehr das hohe Gras wirklich genossen haben.“

Ma & Pops Tankstellengeschäft –

Sicherer Hafen oder mörderische Raststätte?

Nach der erfolgreichen Flucht von der Lichtung und aus dem Wald führt Staten Island eine kleine Gruppe Gejagter über einen Stacheldrahtzaun und entlang einer Straße zu einem alten Dorfladen: Ma & Pop’s Main Street Market. In ihrem Drehbuch siedelten Damon Lindelof und Nick Cuse diese zentrale Szene in einer ländlichen Tankstelle an einer abgelegenen Straße an, weil sie solcherlei Orte selbst beunruhigend finden, wie Lindelof gesteht: „Nick und ich sind beide Großstädter, und in ländlichen Umgebungen, wo wir in Läden wie diesen reingehen, nach Benzin fragen und Smalltalk mit den Menschen hinter dem Tresen führen müssen – die genau wissen, dass wir Großstädter sind – fühlen wir uns nicht unbedingt wohl. Und es gibt Waffen und Messer und Köder und seltsames Zeug, bei dem ich versuche, gelassen zu bleiben. Also fanden wir, es wäre ein hervorragender Ort für so eine Szene.“

Den Filmemachern schwebte nicht nur ein bizarrer alter Tante-Emma-Laden vor – sie brauchten etwas, das sich isoliert anfühlte, ohne jegliche Zeichen von Zivilisation. Und das fanden sie am Husser Quick Stop in Loranger, Louisiana. Gelegen an einer Waldstraße besaß der Laden all den schlichten Charme und das Drumherum eines alten Gemischtwarengeschäfts, von jahrzehntealten Zapfsäulen und einem Pickup-Truck aus den 50ern bis hin zu Schaukelstühlen auf der Holzveranda. „Wir verbrachten viel Zeit damit, ein Ladengeschäft mit genau der richtigen Atmosphäre zu finden, und dieser Ort verströmte exakt die richtige Stimmung und sah perfekt aus“, so Matthew Munn. „Es hatte lange gedauert, ihn zu finden, obwohl er davor schon in diversen Filmen zu sehen war, zuletzt im Oscar-Gewinner Green Book – Eine besondere Freundschaft, und direkt auf der anderen Seeseite von New Orleans an der North Shore liegt.“

Die Form des Hauses und die Lage abseits der Straße sowie das Fehlen jeglicher Erkennungszeichen machte es zum idealen Schauplatz, erklärt Munn: „Es war durch all die Bäume regelrecht abgeschirmt und sogar fast zwischen den Bäumen eingeklemmt, direkt an der Straße – also war es allein aus optischen Gründen perfekt. Und die Straße war großartig, weil sie alle möglichen Windungen und Kurven hatte, außer Sichtweite war und überall so ein altmodisches Landgefühl herrschte, was sich wie eine Zuflucht vor all dem Gemetzel anfühlen sollte.“

Der kleine Innenraum war hingegen etwas problematisch, da man Platz für Schauspieler, Crew und Equipment benötigte und diverse Stunts eine Verdrahtung erforderten. „Wir sahen uns die Location mehrmals an, um zu skizzieren, wie wir sämtliche Szenen drehen würden, und jedes Mal wurde unser Plan präziser“, so Munn weiter. „Wir begriffen, dass wir im Zuge unserer fünf Drehtage vor Ort jede Ecke, jeden Winkel und jede Ritze sehen würden, also investierten wir viel Arbeit darin, wirklich den ganzen Laden authentisch aussehen zu lassen. Grundlegend waren Look und Gerüst schon super, aber wir mussten ihn entrümpeln und neugestalten.“

Das Ergebnis ist entwaffnend idyllisch, ohne das kleinste Anzeichen auf Gefahr. „Wir versuchten, die Wendung so gut wie möglich zu verstecken. Wir knieten uns tief in dieses nostalgische Americana-Gefühl, damit der Twist, wenn er dann kommt, umso härter trifft.“

Die Gejagten finden sehr schnell heraus, dass das Äußere täuschen kann und Craig Zobel nutzte den Augenblick voll aus, um Spannung wie auch Anspannung zu kreieren, indem er die Action stark verlangsamte. Das Publikum – wie auch die Charaktere – sieht zu, wartet ab und fragt sich, was als nächstes passiert. „Eine unserer Figuren spaziert durch den Laden und markiert quasi die Dinge, die sich als Nahkampfwaffen eignen würden, falls jemand das Geschäft stürmen würde“, führt Zobel aus. „Eine andere Figur ist an der Tür aufgestellt, als Wachposten. Die nächste ist am Telefon und ruft die Polizei. Doch irgendetwas fühlt sich nicht richtig an.“

Ma und Pop sind bereit und bewaffnet für einen Bären und verfügen über eine Vielzahl von Optionen, wie sie ihre nichtsahnende Beute töten können. Zusätzlich zu einem Waffenarsenal unter dem Tresen hält das Paar noch andere Überraschungen bereit für all diejenigen, die keine guten Entscheidungen für ihre Ernährung treffen. „Craig und ich hatten über diese Idee gesprochen“, deutet Munn an. „Die Jäger spielen mit den Gejagten. Wenn man also da reinkommt und zum Obst und den gesunden Sachen geht, ist alles okay. Aber die Jäger gehen fest davon aus, dass diese Leute sich auf das Junkfood stürzen – und deshalb ist das komplett vergiftet.“

Das Flüchtlingslager:

Eine Mauer der Inspiration

An einem gewissen Punkt im Film kommt Crystal in einem Flüchtlingslager an der Grenze von Kroatien und Bosnien-Herzegovina an. Dieses Lager wurde für den Film neben einer Dammmauer am Mississippi in einem Industriegebiet in East New Orleans errichtet. „Wenn man die Location erreicht, gibt es da ein Stück riesigen Schutzwall – diese massive Betonwand springt einen regelrecht an“, beschreibt Munn den Ort. „Das war zwar nicht Teil der ursprünglichen Idee für das Flüchtlingslager, aber es verlieh der Szene so viel mehr Effekt, weil es uns einen wundervollen und beeindruckenden Hintergrund für unsere erste Einstellung für die Sequenz gab. Im Prinzip war es ein leerstehender Bauplatz mit all diesen schönen verfallenden Gebäuden, die aussahen, als wären sie in einem Krieg beschädigt worden.“

Munn nutzte die massive Betonwand aus, indem er vorübergehend ein paar Kunstwerke und Wandbilder darauf anbrachte. „Wir malten mehrere Porträts mit den Gesichtern der Flüchtlinge im Lager, die wir dann älter aussehen und abblättern ließen. Wir wollten zeigen, dass dieses Camp eine Geschichte hatte, dass es Menschen nur vorübergehend beherbergen sollte, aber diese letztlich monate- und sogar jahrelang hier lebten. Wir wollten zeigen, dass dieser Ort schon sehr lange existierte und damit die gesamte Notsituation noch verstärken.“

Die Produktion bestellte über 100 Zelte, um den Raum zum Fuße der Mauer zu füllen und dem grauen Grundstück etwas Farbe zu verleihen. „Das große blaue Gebäude, das an das Gelände angrenzte, wurde zum Ausgangspunkt für sehr viel Blau, unsere Grundfarbe, die wir auch an den Zelten benutzten. Ich arbeitete außerdem mit unserem Kostümbildner David Tabbert zusammen, um die Garderobe der Statisten und Statistinnen mit vielen leuchtenden Farbvarianten zu versehen, und wir verwendeten Decken und Abdeckungen, um einige der Muster und Farbtöne in den Kostümen auszubalancieren.“

Der Jagdunterschlupf:

Luxusgemetzel

Endlich enthüllt werden die Jäger und Jägerinnen in einer Szene in ihrem Unterschlupf, in dem sie leben und planen, wie sie mit den überlebenden Gejagten verfahren. Während der Recherche zum Interieur des Verstecks war Szenenbildner Matthew Munn schockiert, wie luxuriös diese Unterschlupfe sein können: „Da ich selbst nicht jage, dachte ich immer nur, dass man dabei primitiv und ohne Komfort im Wald lebt, schlecht riecht und alles dreckig und eklig ist. Ich recherchierte viel und fand Hinweise auf unfassbar aufwendige Unterstände, die Menschen sich selbst gebaut hatten, mit allen möglichen Luxusgegenständen wie Kühlschränken und Fernsehern und den abgefahrensten Einbauten. Das hatte schon eher etwas von Jagdhütte. Kostümbildner David Tabbert kleidete die Jäger und Jägerinnen in diese sehr englische Fuchsjagdgarderobe, und mir gefiel die Idee, eines Fuchsjagdgemäldes oder eine -mauerbildes an der Wand – auf diese Weise konnten wir das Jagdmotiv auf eine ganze andere, sehr stilisierte Methode neu einbringen. Ich wollte sie in diesen so ausgefeilten Raum setzen, um noch einmal die Absurdität des Ganzen zu betonen.“

Das Herrenhaus:

Gebaut, um demoliert zu werden

Die längste und umfangreichste Stuntsequenz des Films ist der Showdown zwischen Crystal und Athena in Athenas Anwesen. Entsprechend drehte sich eines der ersten Gespräche zwischen Regisseur Craig Zobel und Szenenbildner Matthew Munn um Aussehen und Funktionalität dieses Sets.

Munn erinnert sich: „Wir wussten von Anfang an, dass das Herrenhaus der Ort sein würde, an dem unser finaler Fight stattfinden sollte. Wir wussten, dass er in der Küche beginnen und sich von da aus weiterbewegen würde. Unser Ziel war eine finale Actionsequenz, wie wir sie selbst noch nie zuvor gesehen hatten. Also sprachen wir ausführlich darüber, was darin passieren würde, sowie was das Haus symbolisieren müsste und wie wir uns den Look und die Stimmung vorstellten.“

Die beiden entschieden, dass das Innere wie eine Jagdhütte mit sämtlichen traditionellen visuellen Insignien und Ideen aussehen sollte, aber auf moderne und stark stilisierte Weise umgesetzt.

„Craig und ich waren total verliebt in die Idee eines abgesenkten Wohnzimmers mit einer eingebauten Couchgarnitur im 70er-Jahre-Stil und darin integriertem Plattenregal an der Rückseite“, so Munn. „Abgesehen von diesem schrägen 70er-Vibe wollten wir ein echtes Partyraumgefühl schaffen, ein cooler Ort, an dem man gerne Zeit verbringt. Man konnte sich sehr gut vorstellen, dass all die Jäger und Jägerinnen am Abend vor der Jagd hier miteinander sitzen, Wein oder Scotch trinken und über den anstehenden Tag sprechen. Es gab ein Fuchsjagdwandbild und Landschaftsgemälde, typische Kunstwerke für eine Jagdhütte, aber darüber hinaus etwas Zeitgemäßeres – ein supermoderner Designtwist mit all diesem traditionellen Zeug.“

Teil dieses Twists war ein Experiment mit Tierpräparation. „Uns gefiel die Idee von Taxidermie, aber ich fand es spannend, ein paar Präparate anzumalen, nur um zu sehen, wie es aussieht“, sagt Munn. „Also besorgten wir einige Hirschköpfe und malten sie alle weiß an. Das war etwas, was ich zuvor noch nie gesehen hatte und das Ergebnis fiel noch viel besser aus als wir gedacht hatten. Sie sahen tatsächlich echt cool aus.“

Abgesehen von der Ästhetik mussten die Designideen auch die Anforderungen der aufwendigen Stuntsequenz erfüllen, die in der Küche beginnt, bevor sie über das gesamte Set stürzt, kracht und poltert. Munn entwarf einen offenen Raumplan für Wohnzimmer, Küche und Essbereich und legte seine Ideen dann den Stuntkoordinatoren Hank Amos und Heidi Moneymaker vor, damit sie sich Möglichkeiten ausdachten, um diese Ideen auszunutzen und darauf aufzubauen.

Dazu Munn: „Wir wollten einen mehrseitigen Dialog zwischen den Gewerken Ausstattung, Stunts, Spezialeffekte und visuelle Effekte ermöglichen, damit wir alle gemeinsam eine so ungewöhnliche wie aufregende Kampfsequenz entwickeln konnten, die Spaß machte. Wir wollten nicht etwas entwerfen und es erst im Nachhinein an die Bedürfnisse der Effekte oder der Stunts anpassen. Der Entwurf sollte in Zusammenarbeit mit allen Abteilungen entstehen. Wir wollten von Beginn an nahtlose Übergänge schaffen.“

Der erste Schritt für Amos und Moneymaker war es, eine Pappvariante des Sets zu basteln, anhand derer sie sich einen Überblick über den Raum und die Bewegungsoptionen verschafften. „Das gab auch Craig Zobel und mir Gelegenheit, uns anzusehen, wie sich die Dinge abspielen würden“, so Munn weiter. „Hank und Heidi hatten zum Beispiel die Idee, eine Kücheninsel in das Geschehen einzubauen, unsere Figuren darüber springen zu lassen und die Insel als Stuntelement zu nutzen. Also setzte ich mich wieder hin und überarbeitete die Insel, um zu gewährleisten, dass sie kräftig und stabil genug für sämtliche Stunts wäre. Ich sprach mit Hank und Heidi über Höhe, Breite und Tiefe, damit die Sprungstunts funktionieren würden, woraufhin wir dann gemeinsam durchgingen, was cooler aussehen und besser klappen würde und solcherlei Details.“

Während die Abteilungen sich Ideen hin und zurück spielten, entwickelten sie ein Designkonzept, das die Kampfchoreografie, die Amos und Moneymaker vorbereitet hatten, unterbringen könnte. „Wir arbeiteten aus, wie der Kampf sich abspielen würde, was als nächstes passieren würde, wo die Darstellerinnen enden würden und bauten dann die entsprechenden Sicherheitsvorrichtungen in die Kulisse ein“, erklärt Munn. „Das gesamte Interieur des Haussets war im Prinzip ein großes Klettergerüst für Stunts.“

Die Filmemacher waren davon überaus beeindruckt, gibt Nick Cuse zu: „Matt Munn hat fantastische Arbeit geleistet, weil er im Prinzip einen Spielplatz für Kämpfe und Stunts konstruiert hat, der darüber hinaus wie ein wunderschönes, umwerfendes, stylisches Zuhause aussieht, in dem ich zu gern wohnen würde.“

Munn und sein Team – Art Director Jason Baldwin Stewart (Star Trek Into Darkness) und Bühnenbildnerin Jessica Stumpf (Logan) – arbeiteten mit Bauleiter Scott Middleton zusammen, um buchstäblich jede Ecke des Sets abzusichern, indem sie spezielle Materialien für die Konstruktion und die Ausstattung verwendeten, um für den irrsinnigen Kampf, der hier stattfinden sollte, alles abzupolsten.

„Unser fantastisches Art-Department hat sich tatsächlich selbst übertroffen, indem sie all das 100% sicher für unsere Darstellerinnen machten“, schwärmt Amos. „Wir hatten Bruchschränke und -gläser sowie Bruchglas, weil beide Frauen durch ein doppelt verglastes Fenster geworfen werden. Sie haben keine Mühen gescheut, um Stuntpolster an den Wänden und im Boden zu verstecken und haben sie wie ganz normale Bauelemente getarnt. Man konnte sie eindrücken und sie waren schaumig und gepolstert, aber von den echten Wand- und Bodenmaterialien nicht zu unterscheiden. Erst, wenn man anfasste, merkte man es. Es war beeindruckend und der absolute Wahnsinn, was sie für uns möglich gemacht haben. Wir sind ihnen sehr dankbar, dass sie unser ganzes Stuntteam so unterstützt und Verletzungen vermieden haben.“

Munn ließ sein Team auch ausgehen und spezifische Möbel, Bauteile und Accessoires auftreiben, die für die Kampfszene verwendet werden würden: „Schon früh hatte Craig die Idee, dass er Crystal und Athena auf einem Tisch kämpfen lassen wollte. Also machten wir gemeinsam mit unserer Dekorateurin Monique Champagne eine wirklich tolle Tischplatte ausfindig, mit einem rustikalen Landhauslook. Und in dem Wissen, dass sie darauf kämpfen würden, besorgten wir uns ein echt solides Stück Holz mit einem Stahlkern, das unser zeitgemäßes Innendesign bediente, aber auch extrem stabil und kräftig war, sodass unsere Schauspielerinnen darauf steigen, sich herumrollen und gut darauf kämpfen konnten.“

Zobel und Munn arbeiteten mit Amos und Moneymaker zusammen daran, Gegenstände und Deko in die Kampfchoreographie einzuarbeiten, um die Action noch dynamischer und unterhaltsamer zu machen. Munn fährt fort: „Wir fügten diesen Kronleuchter mit all den hängenden Holzkugeln ein, der am Ende Teil dieser Kampfsequenz wird. Craig und ich haben eine Freundin in Brooklyn, Maeve Pacheco, die große Makramee-Helixen anfertigt, die wir wahnsinnig schön finden. Und wir dachten, es wäre toll, sie in den Kampf zu integrieren. Craig sagte schon früh: ‚Ich würde gern Maeves Makramee für den Fight benutzen‘, also wendeten wir uns an sie. Und sie war wirklich begeistert darüber, ihre Knüpfarbeiten als Stuntwerkzeug in einem Kampf wie diesem zu erleben. Wir lassen Crystal eines dieser Stücke greifen und sich daran umherschwingen. Und weil Craig wollte, dass auf solch heldenhafte Momente immer sofort etwas Furchtbares folgt, reißt Crystal das Teil dabei aus der Decke und schlägt auf dem Boden auf.“

Athenas Küche –

Killer-Quinoa und andere Waffen

Da der Fight in der Küche beginnt, wollte Zobel die dort zu findenden Gegenstände voll ausnutzen und alltägliche Küchengeräte und -utensilien zu Waffen umfunktionieren, wie Munn erklärt: „Wir begannen, den Gedanken weiterzudenken, dass wir Dinge als Waffen benutzen würden, die man so vorher noch nie erlebt hat, wie die Klinge einer Küchenmaschine. Wir sprachen darüber, Zeug zu zerbrechen, also hatten wir diverse Bruchgläser voller Müsli, Quinoa, Couscous und Reis und ließen Athena und Crystal sich damit bewerfen. Athena ist eine reiche Frau mit einem sehr spezifischen Geschmack, also sollten die Küchenwerkzeuge auch bezüglich ihrer Ästhetik funktionieren: hochwertige Steakmesser und Messerblöcke, strukturierte Holzteile.“

Nachdem Zobel spezifische Ideen skizziert hatte, die er sich für den Hauskampf wünschte, bat er Amos und Moneymaker, sich etwas auszudenken, das unbedingt noch nie zuvor gemacht wurde. „Viele, viele Monate vor Drehbeginn sagte Craig ‚Ich möchte einen wirklich coolen, neuartigen Stunt für diese riesige Küchenkulisse, die wir bauen‘“, erinnert Amos sich. „Also schaute ich mir das Layout an und als ich den großen Kamin in der Mitte des Raumes entdeckte, rief ich ihn direkt an und fragte, ob es ein zweiseitiger Kamin wäre. Als er das bejahte, meinte ich ‚Jemand muss durch diesen Kamin durch.‘“

Zobel wie auch Munn liebten die Idee, schwärmt Letzterer: „Jede Jagdhütte hat einen Kamin, und wir wollten einen großen, offenen, der die Küche mit dem Wohnzimmer verband. In unseren Köpfen war das buchstäblich wie physisch das Herzstück des Kampfes, also war die Idee, dass eine der Figuren da hindurch kracht, Holzscheite beiseitetritt und das Feuer sich aufbäumen lässt, wahnsinnig spannend.“

Es war auch der bei weitem anspruchsvollste und gefährlichste Stunt von allen und mit vereinten Kräften der Abteilungen Special Effects, Visual Effects, Make-up, Stunts und Szenenbild dauerten die Vorbereitungen drei Monate. „Wir steckten viel Übung und Proben in diesen Stunt, um zu gewährleisten, dass alles perfekt und sicher ablief“, so Amos weiter. „Craig wollte soviel wie möglich davon in einer Einstellung einfangen, damit man unsere Stuntfrau ohne Schnitt durch die Luft und in die Feuerstelle fliegen sieht. Um das umsetzen zu können, mussten wir das Ganze wirklich genau abstimmen, den Druck der Sperrvorrichtung und die Länge des Drahtes justieren sowie die Blickwinkel berechnen, um eine präzise Flugbahn zu erhalten – und das alles dann noch genauer abstimmen. SFX-Koordinator Matthew ‚Smalls‘ Kutcher und unsere SFX-Leute waren unglaublich. Matt ist einer der Besten der Branche und war verantwortlich für das echte Feuer und die nötigen Explosionen. Dann gab es da unsere VXF-Abteilung mit Johnny Gibson, der dem allen am Computer noch den Hauch Magie verlieh. Und wir hatten ein fantastisches Masken-Team unter Lauren Thomas (Ghost Horror House – The Leroux Spirit Massacre), das sich um sämtliches physisches Make-up unserer Darstellerinnen kümmerte.“

Nach monatelangem Kreieren, Probieren und Justieren war am Drehtag schließlich alles bereit. Hank Amos: „Wir haben unsere fantastische junge Stuntfrau Sarah Irwin wortwörtlich durch unseren großen flackernden Kamin geschubst, während Matt die Flammen kontrolliert hat und sie dabei brennende Scheite, Funken und Flammen mit sich zog – das volle Programm. Um all das sicher umzusetzen, waren ihre Kleider in feuerfestem Hemmstoff regelrecht eingeweicht. Außerdem haben wir Feuerschutzgel aufgetragen, damit ihre Haut nicht verbrannte. Und unter ihrem Kostüm trug sie CarbonX-Kleidung, die auch Rennfahrer unter ihren Anzügen anhaben, um sich im Falle eines Feuers zu schützen. Sarah hat einen tollen Job gemacht. Wir haben den Stunt dreimal hintereinander gedreht, um den perfekten Kick und den maximalen Effekt rauszuholen. Ich bin wirklich froh, dass Craig um drei Takes gebeten hat, denn der letzte stellte sich als unser bester heraus. Sie landete echt auf ihrem Kopf, was krass und beeindruckend aussah.“

Rein, raus und wieder rein:

Außen und Innen verschmelzen

Das Interieur des Anwesens wurde in eine Bühne der Starlight Studios gebaut und musste zu der Außenansicht des tatsächlichen Gebäudeeingangs passen, der vorab vor Ort in Covington, Louisiana gefilmt wurde. Dazu Munn: „Dieses ganze Set soll zu einer realen Location und deren Außenansicht passen. Sobald wir erstmal herausgefunden hatten, wie wir die Übergangselemente funktionieren lassen, griffen wir Dinge auf, die uns am Drehort gefallen hatten und verarbeiteten sie ebenfalls in der Kulisse.“

Unter diesen Elementen war auch der Glasflur, der einen Teil des Hauses mit einem anderen verband. „Als wir ausarbeiteten, wie der Kampf sich fortsetzen könnte, fanden wir es großartig, den Korridor zu nutzen und unsere Schauspielerinnen durch das Glas krachen zu lassen“, so Munn weiter. „Aber wir dachten auch, dass es lustiger wäre, wenn sie versuchten, sich hindurch zu schmeißen, dagegen krachten und nichts passierte – und erst nach ein paar weiteren Malen würden sie es wirklich durchbrechen. Also tüftelten wir die Maße des Glases aus, das wir bräuchten, und holten unseren Effektkoordinator Matt dazu, um die ganze Wand entsprechend zu verkabeln. Weil es an der Seite des Hauses viel Glas gibt und der Showdown zwischen Crystal und Athena am frühen Morgen stattfindet, arbeiteten wir mit unserem Kameramann Darren daran, dass ein kräftiges Sonnenaufgangslicht aus einer Richtung das Set durchflutet, und füllten dann diese Seite mit Glas aus, das den Blick auf einen Innenhof freigibt. Natürlich dachten wir als nächstes ‚Wieso bringen wir den Kampf jetzt nicht nach draußen? Nachdem wir durch das Glas brechen, können wir im Hof weiterkämpfen.‘ Also werfen wir die beiden durch die Glaswand, lassen sie sich im Hof prügeln und dann wieder ins Haus zurückkommen. Das hat der ganzen Sequenz eine schöne Beweglichkeit verliehen.“

Die Requisiten

In einer anderen Hand:

Pistolen und Waffen für die Jagd

Wie man erwarten würde fährt ein Film über die Vergnügungsjagd auf menschliche Beute eine Vielzahl an Waffen auf und es war die Aufgabe von Waffenmeister Howard Fannon (Gemini Man), diese zu finden. Das Arsenal, das er zusammengetragen hat, reicht von Samuraischwertern über Smith-&-Wesson-Revolver bis hin zu ultramodernen, vollautomatischen Militär-SIGs. Dazu Fannon: „Wir haben Waffen von richtig alt bis hin zu topmoderner Feuerkraft. Wir haben versucht, sämtliche Waffen-Highlights zu sammeln, die bekannt und beliebt sind. Als es daran ging, den Wagen in der Kiste auszustatten, haben wir versucht, den Gejagten eine breite Auswahl zur Verfügung zu stellen.“

Weil die Jäger und Jägerinnen es als wenig sportlich betrachten, unbewaffnete Beute zu erschießen, beschließen sie, ihre Entführungsopfer auszurüsten und ihnen ein ganzes Arsenal dort zurücklassen, wo sie zu sich kommen. „Die Gejagten bekommen die Möglichkeit, jede Waffe mitzunehmen, die sie wollen, und außerdem gibt es Militärverpflegung, Wasserflaschen und einen Erste-Hilfe-Kasten“, führt Fannon weiter aus. „Nach ein paar Schlucken Wasser greifen sich alle irgendwelche Waffen und Messer und lassen sämtliche Vorräte zurück. Die Filmemacher waren überzeugt, dass die Figuren weniger auf Langzeitüberleben spekulierten als sich vielmehr Dinge zu schnappen, die ihnen auf kurze Sicht ein Überleben garantieren würden.“

Fannon bestückte den Wagen mit klassischen Feuerwaffen wie einer .357er Magnum und einer MP5, Standardbewaffnung von Militär und Polizei. Außerdem gab es Waffen, die durch Filme oder Rap-, Hiphop- und andere Musikvideos bekannt geworden sind.

„Wir haben alles von SIG-Pistolen und -Gewehren bis zum alten .45er Colt benutzt, von Revolvern und Pfeil und Bogen bis hin zum Tomahawk. Wir hatten außerdem ein paar Waffen, die durch Rap und andere Musik oder Songs an Beliebtheit gewonnen haben, u.a. die TEC-9 und verschiedene Glocks. Außerdem hatten wir eine 16-schüssige KelTec-12-Schrotflinte, auch wenn sie keinerlei Ähnlichkeit mit den Schrotflinten hat, die man vielleicht kennt.“

Fannon erklärt, er und die Filmemacher haben sehr detailliert über die Waffen und Feuerwaffen gesprochen: „Sie hatten definitiv sehr spezifische Ideen, was sie wollten, noch bevor ich engagiert wurde. Wir haben sogar zwei antike Schwerter und einer der Charaktere entscheidet sich dafür, um sich zu verteidigen. Es ist tatsächlich ziemlich witzig.“

Für die Szene, in der die Jäger das erste Mal auf ihre Beute schießen, wollten die Filmemacher, dass einer der Gejagten mit einer vollautmatischen Waffe, die in schneller Folge unzählige Runden abfeuert, kamikazemäßig über die Wiese rennt. Dafür wählte Fannon ein paar neue SIG-Gewehre mit 60-schüssigen Trommelmagazinen aus. „Ich denke, man wird im Film sehen, dass nicht alles, was die Charaktere mit den Waffen tun, 100%-ig korrekt ist, aber im Großen und Ganzen sollen die Gejagten ja auch keine ausgebildeten Waffenexperten und -expertinnen sein. Viele der Besetzungsmitglieder hatten noch nie zuvor eine Waffe abgefeuert und alle von ihnen waren sehr interessiert an dem Sicherheitsaspekt und wollten lernen, wie man sie benutzt.“

Da Sicherheit jederzeit Priorität war, wurden sämtliche vollautomatische Waffen auf Platzpatronen umgerüstet und die Revolver und Schrotflinten, bei denen keine Modifikationen und Umrüstungen nötig waren, einfach mit Platzpatronen geladen.

Was die Jäger und Jägerinnen angeht, die das Geld und die Freiheit haben, jede mögliche Waffe zu kaufen, so unterstellten die Filmemacher dieser wenig jagderfahrenen Elite, dass sie sich eher aus Gründen von Stil oder Ruf für ein Modell entscheiden würden als aus Funktionalität. „Wir hatten sehr viel Spaß an dem Gedanken, dass sie Waffen nach dem auswählten, was sie in Filmen gesehen hatten“, erklärt Szenenbildner Matthew Munn. „Ein Jäger wollte etwas, das wir John-Wick-Waffe getauft haben, ein anderer bekam eine Walther PPK, weil er um eine ‚James-Bond-Pistole‘ gebeten hatte, wieder einer wollte eine Pulp-Fiction-Waffe. Wir fanden, diese Filmpistolen wären die Art von Waffen, die diese wirklichkeitsfremden reichen Leute haben wollen würden, weil sie vor allem anderen cool aussehen wollten.“

Darüber hinaus bewaffneten sich auch die Jäger mit leistungstarken Langstreckenwaffen. „Wir hatten ein paar neue Kaliber-50-Scharfschützengewehre“, so Fannon. „Die Jäger verfügen außerdem über ein paar Seekins-Jagdgewehre und eine Vielzahl von Handfeuerwaffen, die für kleinere und dichtere Schusswechsel ausgelegt sind.“

Die Kostüme

Kleidung, für die man sterben würde – und in der…

Hinter den Kulissen der Kostüme

Bei nur wenig Zeit, um eine Vielzahl an Charakteren auf der Leinwand zu etablieren, spielten Kostüme eine noch größere Rolle bei der Formung und Übermittlung der jeweiligen Persönlichkeiten sowie der Hinweise zu ihrem Hintergrund. Kostümbildner David Tabbert erläutert: „Meine Aufgabe ist es im Prinzip, die Geschichte durch die Kostüme zu erzählen und dabei zu helfen, den oder die Schauspielerin mithilfe ihrer Garderobe über ihre Figur zu informieren. Ein Großteil dieses Films spielt mit der Tatsache, dass die Gejagten aus ganz verschiedenen Lebensbereichen kommen und gerade erst bei hellichtem Tage ausgesucht und aus ihren Leben gerissen wurden, während sie ahnungslos ihrem Alltag nachgingen.“

Die Kleidung sowohl der Gejagten als auch der Jäger und Jägerinnen wurde zur visuellen Abkürzung oder in manchen Fällen auch Irreführung, wie Damon Lindelof es beschreibt: „Wir sprachen darüber Kostüme als Weg zu betrachten, Menschen einzuschätzen und sie in eine Schublade zu stecken. Manchmal ist diese Schublade genau richtig, andere Male hingegen völlig daneben. Würden wir Crystal in der wahren Welt über den Weg laufen und sie würde ihre Uniform aus der Autovermietung tragen, in der sie arbeitet, würden wir uns alle möglichen Urteile bilden, was für eine Person sie ist. Und niemals würde es uns in den Sinn kommen, dass sie der tödlichste Mensch im Raum ist.“

Weil alle gejagten Figuren außer einer nur ein einziges Kostüm tragen, wurde es zu einem wichtigen optischen Werkzeug, den Look jedes Charakters herauszuarbeiten. Tabbert weiter dazu: „Es war ungemein spannend, etwas zu entwerfen, das einem die Möglichkeit gibt, sich sehr schnell über die entsprechende Person zu informieren – woher sie kommt, was ihr finanzieller Hintergrund ist, und was sie gerade getan hat, als sie entführt wurde. Mit der Zeit verschwindet vielleicht eine Schicht, vielleicht bindet er oder sie ein Hemd oder eine Jacke um die Hüfte, aber mehr als die Teile ihres bestehenden Outfits haben sie alle nicht zur Verfügung. Im Prinzip ist es ihre Rüstung. Es ist ihr Schutz – es ist alles, was sie haben.“

Nachdem sie von der Straße, von zuhause oder ihrer Arbeit weggeschnappt und in diese grausame und surreale Situation geworfen wurden, sind die Gejagten auf viele verschiedene Weisen angezogen, was es den Filmemachern einmal mehr erlaubte, sich auf die vorherrschenden Meinungen und Muster bezüglich Farbpalette und Kostüme einzulassen. „Normalerweise möchte man in einem Film sicherstellen, dass alle Farben sich ergänzen oder in Kontrast stehen und dass sich nichts zu schrill anfühlt“, so Tabbert. „Typischerweise wollen wir in der Umgebung von soviel Natur und so vielen natürlichen Elementen damit arbeiten und gewährleisten, dass die Dinge einen schönen Kontrast bilden und sich gut vermischen. Bei diesem Projekt wollten wir, dass sich alles schonungslos anfühlt und misstönend. Hier ging es um das genau Gegenteil.“

Die Verwendung unerwarteter Bekleidung und heller Farben unterstrich nicht nur visuell die Tatsache, dass diese Leute komplett überrumpelt wurden, sondern lieferte auch ein wenig Komik oder humorvolle Gegenüberstellung. Tabbert weiter: „Was sind die letzten Farben, die man an Menschen mitten im Wald erwarten würde? Orange? Strahlendes Weiß? Batiken? Hellblau? Wir wollten, dass es die letzten Sachen sind, die man dort tragen würde. Wir wollten dieses Element der Verwirrung.“

Craig Zobel wünschte sich, dass die Figurengarderobe die verschiedenen Stile lockerer Kleidung unter gewöhnlichen Amerikanern und Amerikanerinnen repräsentierte – ein Spiel mit Archetypen bei leicht überzeichneter Wirklichkeit. „Das bedeutete, mit jeder Figur eine andere spezifische Geschichte zu erzählen“, sagt Tabbert. „Emma Roberts, die eine Figur namens Yoga Pants spielt, ist beispielsweise unsere Version der Elsa aus Die Eiskönigin – Völlig unverfroren, mit einem von Kopf bis Fuß babyblauen Ensemble und ihren langen blonden Haaren.“

Eine Frau, deren Garderobe zu ihrer Umgebung passte, war die mit dem passenden Spitznamen Lumber-Jane (Kate Nowlin) in ihrer Jeans, dem Sport-BH, T-Shirt mit U-Ausschnitt und kariertem Flanellhemd. „Wir wollten, dass sie sich wie der Typ Frau anfühlt, die ihr Holz selbst hackt, und ich glaube, das vermitteln wir ganz gut“, freut sich Tabbert. „Sie ist mutig und furchtlos und weiß sich zu verteidigen. Und die Jeans, die sie trägt, beeinflusst das ganze Kostüm. Kate Nowlin ist etwa 1,80 m groß und hat diese fantastischen langen Beine. Also steckten wir sie in diese wirklich, wirklich langen Jeans, die mit elastischem Hosenbund sehr hoch auf ihrer Hüfte sitzen. Sie hat diese Jeans geliebt – wir alle haben das. Diese Hose machte ihr Outfit perfekt.“

Der von Ethan Suplee gespielte Gary trägt ein weitaus weniger praktisches Outfit. Weil er sich selbst für seinen Podcast über Verschwörungstheorien hinter seinem Schreibtisch filmt, ist seine obere Hälfte kamerageeignet und seine untere nicht, wie Tabbert erläutert: „Uns gefiel diese Gegenüberstellung zwischen der Goldkette, die an seinem Pseudorollkragenpullover baumelt und der alten schäbigen Jogginghose. Uns gefiel der Kontrast zwischen seiner eigenen so schrägen wie altmodischen Methode, sich rauszuputzen, und dieser schlampigen Jogginghose, die eigentlich niemand zu sehen kriegen sollte. Wir fanden, er war genau die Sorte Typ, der sich nur mit den Teilen seiner Kleidung Mühe gibt, die andere zu sehen bekommen. Die untere Hälfte würde keine Rolle spielen.“

Der Look für Don (Wayne Duvall) war von einem Foto von Jimmy Carter während eines Angelausflugs in den frühen 90ern inspiriert. „Craig und ich stießen auf dieses Bild und es fühlte sich einfach perfekt für Dons Charakter an. Genau wie das Foto verkörpert Don den ultimativen Vater und Großvater, den ultimativen mittelamerikanischen Jedermann und stolzen Patrioten, dem es ganz gut geht und der im Rahmen seiner Mittel komfortabel lebt und sein Land liebt.“

Für Ike Barinholtz‘ Figur Staten Island stellten die Filmemacher sich einen Optionenhändler aus dem mittleren Westen vor, z.B. an der CME Group oder der Handelskammer, der vielleicht seinen Samstag genießt, bevor er völlig benommen aufwacht und sich in einem Albtraum wiederfindet. „Stellt euch einen Durchschnittstypen aus der Mittelschicht vor, mit Polohemd und Khakihose, quasi business-casual“, erklärt Tabbert. „Er sieht gepflegt und beieinander aus, ohne es besonders zu versuchen oder darüber nachzudenken.“

Crystals Autoverleihuniform vermittelt laut Tabbert einiges darüber, wo sie in ihrem Leben steht: „Das erste Mal, wenn wir ihr begegnen, sind all ihre Kleider zerzaust und wir fragen uns, was diese Frau in einer hellorangenen Bluse mitten im Wald macht. Wir wollten eine Art 90er-Umriss, etwas, wie aus einem Katalog für Teenagerinnen, wie der von Delia‘s, den meine Schwester ständig benutzt hat. Das inspirierte mich. Alles – von den Proportionen zu den Umrissen – fühlt sich einfach sehr 90er an, und wir wollten, dass diese Art Nostalgie zeigt, wie sehr Crystal an der Vergangenheit hängt, etwas mit dem sie sich beschützt fühlt.“

Weiterhin erklärt Tabbert, dass Crystals Unzufriedenheit mit dem Leben sich in ihrer ausgeleierten Cargohose und dem blauen Delia’s-Unterhemd ausdrückt, dass sie unter ihrer vorgeschriebenen Uniform trägt: „Mit ihrem Job ist sie durch. Sie arbeitet dort seit Jahren und ist bereit, sich etwas Neues zu suchen. Sie benutzt ihre Kleidung wie eine Sicherheitsdecke, mit der sie sich im Alltag schützt. Wir wollten ihr eine beruhigende, beschützende Natur verleihen. Wir wollten ihren Körper ein wenig bedecken, um diese Verletztlichkeit in ihr aufzuzeigen. Was sie trägt, hat fast schon etwas Kindliches.“

Festzulegen, welche Kleidungsstücke in der Garderobe einer Figur passen, erfordert mehr noch als Ästhetik Machbarkeit (Kosten und Vervielfältigung) sowie die Körperlichkeit der jeweiligen Darstellerin und die körperlichen Anforderungen an die Rolle. „Dieses eine Kostüm musste vielen verschiedenen logistischen Prüfungen standhalten, zieht man sämtliche Stunts und Situationen in Betracht, die Crystal, im Film mitmacht“, fährt Tabbert fort. „Wir mussten sicherstellen, dass ihre Kleider weit genug waren, um unerkannt Polster darunter zu verstecken und beweglich und flexibel genug, damit sie sich so bewegen konnte wie sie es musste, besonders bei all der Kampfchoreografie und Stuntarbeit, die sie absolvierte. Sie musste im Rahmen ihres Jobs Sinn ergeben wie auch etwas über sie erzählen.“

Crystals schlabberiger Vintage-Look steht in scharfem Kontrast zu Athenas maßgeschneidertem, lupenreinem Stil, den Tabbert beschreibt: „Athena besitzt etwas sehr Majestätisches und eine mächtige und einschüchternde Statur, die wir mit ihrem brünetten Bob und ihren Kostümen vermitteln wollten, besonders mit ihrem Outfit für den Showdown mit Crystal.“

Für diese Szene paarte der Kostümbildner einen tiefroten (merlotfarbenen) Rollkragen mit einer figurbetonten Reiterhose aus Leder und kniehohen Reiterstiefeln, die Athena einen Ausdruck von Sportlichkeit mit einem Hauch müßige Klasse verleihen. „Wir liebten die Idee, dass sie sehr früh morgens schon auf war, vielleicht mit einem ihrer Pferde einen Ausritt durch die Landschaften ihres kroatischen Anwesens gemacht hat“, so Tabbert weiter. „Wenn sie Crystal begegnet, kommt sie gerade von einem Ritt nach Hause. Die Farbe Merlot besitzt eine Fülle, die sich für Athenas Charakter und ihre Umwelt wirklich hervorragend eignet. Ich glaube, es wäre zu schrill für sie, irgendetwas Gesättigteres zu tragen als das. Auch das geht auf Craig und mich zurück und darauf, dass wir Farben manipulieren wollten, ohne dabei zu explizit zu werden.“

Als es daran ging, die Garderobe für die Jäger und Jägerinnen im Privatflugzeug in der Eröffnungsszene auszusuchen, hatte Tabbert viel Zeit darin investiert sich zu überlegen, was reiche Leute tragen, wenn sie fliegen: „Besonders auf Instagram und in dieser überdrehten Social-Media-Kultur haben wir entdeckt, dass es nicht mehr allein die Tatsache ist, dass man fliegt. Es geht darum, wie man fliegt und um ein bestimmtes Level an Komfort, auf dass die Leute es abgesehen haben. Wir wollten wirklich schöne Materialien wie Kaschmir und Mohär verwenden, um zu demonstrieren, wie viel Geld diese Leute tatsächlich für Kleidung ausgaben. Ich wollte, dass es weniger um einen bestimmten Designer geht als um den reinen Luxus. Wir wollten den Kontrast zwischen diesem wirklich luxuriösen Komfort und der Prahlerei mit hochpreisigen Designerlabels aufzeigen.“

Über die Schauspielerinnen

BETTY GILPIN (Crystal) hat sich in Fernsehen und Film sowie am Theater als eine der spannendsten Schauspielerinnen der Industrie etabliert. Bestens bekannt ist sie für ihre gefeierte Darstellung in der Netflix-Erfolgsserie GLOW von Liz Flahive und Carly Mensch sowie ausführend produziert von Jenji Kohan. Darin spielt Gilpin neben Alison Brie und Marc Maron die Debbie „Liberty Bell“ Eagan. Basierend auf der Profiwrestling-Liga der 80er Jahre widmet die Serie sich den privaten wie beruflichen Leben einer Gruppe Frauen, die für die Promo-Wrestling-Organisation Gorgeous Ladies of Wrestling im Ring stehen. Gilpin war 2018 und 2019 für einen Emmy und einen Critics’ Choice Award als Beste Nebendarstellerin in einer Comedy-Serie nominiert sowie mit Staffel 1 & 2 für einen SAG Award für die Herausragende Leistung eines Ensembles in einer Comedy-Serie. Zurzeit steht Gilpin für die vierte und letzte Staffel von GLOW vor der Kamera.

Demnächst wird sie in dem Netflix-Film Coffee & Kareem an der Seite von Taraji P. Henson und Ed Helms auftreten, in dem ein Polizeibeamter aus Detroit sich widerwillig mit dem 11-jährigen Sohn seiner Freundin zusammentut, um seinen Namen reinzuwaschen und den ruchlosesten Verbrecher der Stadt dingfest zu machen. Außerdem wird Gilpin in Ryan Murphys Anthologieserie American Crime Story: Impeachment über das reale Amtsenthebungsverfahren von US-Präsident Bill Clinton die Anne Coulter verkörpern. Jüngst hat sie die Dreharbeiten an dem heißerwarteten The Tomorrow War mit Chris Pratt beendet, den Paramount zu Weihnachten 2020 in die Kinos bringt. Unter Regie von Chris McKay erzählt der Film von einem Mann, der eingezogen wird, in einem zukünftigen Krieg, um das Schicksal der Menschheit zu kämpfen und dabei mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Zu Gilpins weiteren kürzlichen Projekten zählen The Grudge, Stuber – 5 Sterne Undercover, Isn’t It Romantic und Wen die Geister lieben.

Auf dem Fernsehschirm erhielt Gilpin viel Lob für ihre Darstellung als Dr. Carrie Roman in der Golden-Globe-nominierten Showtime-Serie Nurse Jackie. Zu ihren weiteren TV-Projekten zählen American Gods, Masters of Sex, Elementary, Good Wife, Fringe – Grenzfälle des FBI, Law & Order: Special Victims Unit und die PBS-Bürgerkriegs-Miniserie Mercy Street.

Im Frühling 2008 feierte Gilpin ihr Off-Broadway-Debüt mit den Second-Stage-Produktionen von Good Boys and True von Roberto Aguirre-Sacasa und Boy‘s Life von Howard Korder. Beim Williamstown Theatre Festival 2009 stand Gilpin zusammen mit Wendie Malick für die Weltpremiere von Noah Haidles Zwei-Personen-Stück What is the Cause of Thunder? auf der Bühne. 2010 war sie in der Roundabout-Theatre-Company-Produktion von The Language Archive und 2011 in den Manhattan-Theatre-Club-Produktionen von That Face und We Live Here zu sehen. Im gleichen Jahr trat sie außerdem in Lucas Kavners Fish Eye von der New Yorker Theatergesellschaft Colt Coeur auf und im Jahr darauf begründete sie die Rolle der Elizabeth in der Uraufführung von Sam Shepards Heartless am Signature Theatre in New York.

Zu ihren weiteren nennenswerten Bühnenrollen zählen die Rattlestick-Theater-Produktion von Lucy Thurbers Where We’re Born, Lila Neugerbauers Inszenierung von An Intervention von Autor Mike Bartlett, die beim Williamstown Theatre Festival Premiere feierte, die Weltpremiere von Halley Feiffers I’m Gonna Pray For You So Hard von der Atlantic Theater Company sowie Bess Wohls Barcelona am Geffen Playhouse in Los Angeles.

Geboren und aufgewachsen in New York machte Gilpin ihren Bachelor of Arts am Fordham College des Lincoln Center.

Mit einer mehr als 20 Jahre umfassenden Karriere als eine der dynamischsten und nuanciertesten Stimmen Hollywoods ist HILARY SWANK (Athena) der Inbegriff der professionellen Vollblutschauspielerin und -produzentin. Die zweifache Oscar-Gewinnerin hat bereits mit so führenden Filmemachern wie Clint Eastwood, Christopher Nolan, Mira Nair, Richard LaGravenese, Garry Marshall, Phillip Noyce, Brian De Palma und Sam Raimi gearbeitet.

Aktuell steht Swank für die neue Netflix-Serie Away vor der Kamera, die sie außerdem als Ausführende Produzentin betreut. Darin spielt sie die amerikansche Astronautin Emma Green, die ihren Ehemann und ihre jugendliche Tochter zurücklassen muss, um das Kommando über eine internationale Weltraummannschaft auf einer heimtückischen Mission zum Roten Planeten zu übernehmen. Darüber hinaus hat sie jüngst Deon Taylors Detektivthriller Fatale mit Michael Ealy abgedreht.

Zuletzt sah man Swank in dem postapokalyptischen Netflix-Sci-Fi-Thriller I Am Mother, in dem eine einsame Frau (Clara Rugaard) nach der Auslöschung der Menschheit dazu bestimmt ist, die Neubevölkerung der Erde anzuführen. Nach einem Leben im Bunker steht sie bald vor der schweren Entscheidung, wem sie vertrauen kann: Mother (Rose Byrne), einem Roboter, der entworfen wurde, um die Erde wieder zu bevölkern und der sie im Bunker großgezogen hat, oder einer menschlichen Fremden (Swank), die Mother und dem einzigen Leben, das sie kennt, nicht vertraut. Der Film wurde 2019 beim Sundance Film Festival uraufgeführt, bevor Netflix ihn im Juni veröffentlichte.

2018 war Swank neben Blythe Danner und Michael Shannon in dem Bleecker-Street-Drama What They Had zu sehen, in dem sie die ringende Bridget spielt, die auf Drängen ihres Bruders nach Hause zurückkehrt, um mit ihrer schwerkranken Mutter und dem Widerstreben ihres Vaters umzugehen, sich von dem gemeinsamn Leben zu verabschieden. Der Film feierte seine Premiere beim Sundance Film Festival 2018 und kam im darauffolgenden Oktober ins Kino.

Im gleichen Jahr war Swank in der FX-Miniserie Trust an der Seite von Donald Sutherland zu sehen. Swank spielte Gail Getty, die Mutter des Entführungsopfers John Paul Getty III., Erbe des Getty-Ölvermögens. Als ihr Sohn gekidnappt wird, muss sie trotz ihrer finanziellen Notlage ein Multimillionen-Dollar-Lösegeld aufbringen. Die Serie wurde ausführend von Danny Boyle produziert und spielt 1973 in Rom.

2017 trat Swank in Steven Soderberghs Logan Lucky mit Riley Keough, Adam Driver und Channing Tatum auf sowie neben Helena Bonham Carter in dem Bille-August-Werk Eleanor & Colette, der im September desselben Jahres beim Toronto International Film Festival gezeigt wurde.

2016 übernahm Swank in dem 3D-Animationsfilm Spark von Aaron Woodley die Sprechrolle der Queen. Zum Voicecast gehörten außerdem Susan Sarandon und Jessica Biel. Darüber hinaus fügte Swank ihrer Laufbahn den Beruf Modedesignerin hinzu, als sie ihre Modelinie Mission Statement herausbrachte. In einer Welt, in der Frauen oft objektiviert und verniedlicht werden, konzentrierte Swank sich auf Kleider, die hohe Leistung und Haute Couture miteinander verweben und der Trägerin das perfekte Bewegungsgleichgewicht ermöglichen – ob sie Sport treibt, im Büro sitzt, sich ausruht oder aktiv ihre Freizeit genießt.

Ihren Durchbruch feierte Swank als Brandon Teena in dem Drama Boys Don’t Cry, für das sie mit dem Oscar als Beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Ihre gefeierte Leistung brachte ihr darüber hinaus Golden Globe und Critics’ Choice Award sowie New York Film Critics‘, Los Angeles Film Critics‘, Chicago Film Critics und National Society of Film Critics’ Awards in der gleichen Kategorie ein. Zusätzlich dazu erkannte das National Board of Review Swanks Darstellung mit dem Preis für die Breakthrough Performance of the Year an und sie wurde für einen BAFTA und einen SAG Award nominiert. 2005 gewann Swank ihren zweiten Oscar für die Hauptrolle in Clint Eastwoods als Bester Film ausgezeichnetem Million Dollar Baby. Darüber hinaus gewann sie ihren zweiten Golden Globe und einen SAG Award sowie die Auszeichnungen als Beste Schauspielerin der National Society of Film Critics und Critics’ Choice Awards. Im gleichen Jahr war sie außerdem mit ihrer Rolle in der HBO-Produktion Alice Paul – Der Weg ins Licht für Golden Globe und SAG Award nominiert. Zu den weiteren Projekten ihrer Filmografie zählen u.a. das von ihr ausführend produzierte Tatsachendrama Betty Anne Waters, für das sie eine SAG-Award-Nominierung erhielt, Mira Nairs ebenfalls von ihr ausführend produzierter Amelia über die legendäre Fliegerin Amelia Earhart sowie Freedom Writers von Richard LaGravenese. Außerdem war sie zu sehen in LaGraveneses P.S. Ich liebe Dich, Brian De Palmas Black Dahlia, Das Halsband der Königin, Sam Raimis The Gift – Die dunkle Gabe, Stephen Hopkins’ Thriller The Reaping – Die Boten der Apokalypse, Christopher Nolans Insomnia – Schlaflos sowie Garry Marshalls Happy New Year und produzierte die Romcom Fremd Fischen, der erste Film ihrer Produktionsfirma 2S Films, die sie mit Molly Mickler Smith gegründet hatte.

Zu Swanks weiteren Interessen zählen Tierschutz und -rettung. Im Jahr 2009 nahm sie an der Kampagne Iams Home 4 the Holidays teil, die sich heimatlosen Tieren widmet. Im Zuge der Kampagne fanden mehr als 1,4 Mio. Tiere ein Zuhause. Außerdem arbeitete sie mehr als ein halbes Jahrzehnt mit der Best Friends Animal Society und ist Botschafterin der Organisation, die unermüdlich im Namen der Tiere an Adoptionen, Sterilisations- und Kastrationsprogrammen sowie Bildungsprogrammen für Tierhalter arbeitet. Zu Thanksgiving 2014 und 2015 agierte Swank als Ausführende Produzentin und Co-Moderatorin des bahnbrechenden zweistündigen Primetime-Specials Fox’s Cause for Paws: An All-Star Dog Spectacular zur Rettung von Hunden. Im Zuge des Events wurden über 60 Hunde gerettet und Zehntausende Dollar zur Unterstützung örtlicher Basisstiftungen gesammelt. 

Swanks Hingabe und Engagement für das Tierwohl setzen sich über ihre eigene Wohltätigkeitsorganisation The Hilaroo Foundation fort, die sowohl Jugendliche als auch Tiere zusammenbringt, die zurückgelassen und aufgegeben wurden, damit sie einander durch Rettung, Resozialisierung und Verantwortungstraining helfen.

IKE BARINHOLTZ (Staten Island) hat sich als einer der meistgefragten Autoren und Schauspieler in der Comedy-Welt etabliert. Jüngst konnte man seine Stimme als Wayne in Bless the Harts auf FOX hören und ihn in Late Night – Die Show ihres Lebens von Amazon sehen. Im Oktober 2018 feierte er mit The Oath sein Regiedebüt, in dem er gemeinsam mit Tiffany Haddish auch vor der Kamea stand. Im Sommer 2018 war er außerdem in Universals Der Sex Pakt mit John Cena und Leslie Mann zu sehen, nachdem er 2017 die letzte Staffel der Hulu-Serie The Mindy Project abgedreht hatte, bei der er als Autor und Produzent fungiert hatte.

Barinholtz spielte an der Seite von Amy Schumer und Goldie Hawn in Mädelstrip, neben Seth Rogan in den Universal-Komödien Bad Neighbors und Bad Neighbors 2, in Warners Suicide Squad und neben Amy Poehler und Tina Fey in Sisters. Darüber hinaus zeichnete er gemeinsam mit seinem Schreibpartner David Stassen für das Drehbuch der Actionkomödie Central Intelligence verantwortlich.

Zu Barinholtz’ weiteren Spielfilmprojekten zählen Meine Frau, die Spartaner und ich, Disaster Movie sowie die Indie-Produktionen Shrink – Nur nicht die Nerven verlieren, Lock and Roll Forever und Inventing Adam.

ETHAN SUPLEE (Gary) trat jüngst in Edward Nortons Motherless Brooklyn als Teil der Starbesetzung aus u.a. Bruce Willis, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin, Michael K. Williams und Bobby Cannavale auf. Zu seinen vorangegangenen Filmen zählen u.a. Art School Confidential von Regisseur Terry Zwigoff, Darren Aronofskys The Fountain, Peter Bergs Deepwater Horizon mit Mark Wahlberg, Kevin Smiths Klassiker Mallrats, Chasing Amy und Dogma, The Wolf of Wall Street von Martin Scorsese, American History X , Blow und Anthony Minghellas Unterwegs nach Cold Mountain. Sein Durchbruch als junger Footballspieler in Disneys Gegen jede Regel mit Denzel Washington verschaffte ihm viel Lob, sodass er kurz danach in John Q – Verzweifelte Wut wieder an Washingtons Seite spielen durfte. Zuletzt trat Suplee neben Hugh Laurie in der Hulu-Serie Chance auf, hatte eine wiederkehrende Rolle in Raising Hope sowie eine ausführliche Storyline in der finalen Staffel von Santa Clarita Diet, drehte das Showtime-Reboot Twin Peaks mit Regisseur David Lynch und tritt demnächst in der NBC-Erfolgsdramedy Good Girls auf. Suplees erste TV-Serie war Das Leben und Ich, wo er über drei Staffeln den zurückhaltenden Raufbold Frankie spielte. Danach war er neben Jason Lee in der NBC-Erfolgscomedy My Name is Earl sowie in diversen Staffeln der Netflix-Sitcom The Ranch mit Ashton Kutcher zu sehen, seinem Co-Star im Fan-Liebling Butterfly Effect.

Das unbestreitbare junge Talent EMMA ROBERTS (Yoga Pants) konnte im Laufe eines Jahrzehnts bereits eine beeindruckende Film- und TV-Karriere aufbauen. Kürzlich beendete sie die Arbeit an der Netflix-Romcom Holidate, in der zwei Fremde verabreden, im Laufe eines Jahres jeden Feiertag miteinander zu verbringen.

Zuletzt gesehen hat man Roberts in der achten Staffel von Ryan Murphys American Horror Story: Apocalypse, einem Crossover zwischen den vorangegangenen Murder House und Coven. Roberts war bereits in Letzterem als Madison zu sehen, einer Party-Teenagerin, die eine besondere Institution besucht, die sich der Ausbildung und Erziehung der letzten Hexen widmet, um deren Aussterben zu verhinden. Roberts trat außerdem in der vierten Staffel Freak Show über einen Zirkus der Sonderlinge und Missbildungen als Wahrsagerin Maggie Esmeralda auf. Sowohl American Horror Story: Coven als auch American Horror Story: Freak Show waren für einen Emmy als Herausragende Miniserie nominiert. Zuletzt kehrte sie für die neunte Ausgabe der Serie, American Horror Story: 1984, zurück, die im September 2019 erschienen ist.

Außerdem sah man Roberts in Paradise Hills, dem Regiedebüt der Spanierin Alice Waddington mit Eiza Gonzalez und Danielle Macdonald. In dem Sci-fi-Thriller erwacht ihre Figur in einer hochklassigen Behandlungsanlage auf einer abgelegenen tropischen Insel, in die wohlhabende Familien ihre Töchter schicken, um zu den perfekten Versionen ihrer selbst zu werden. Der Film wurde 2019 in Sundance uraufgeführt und kam im Herbst in die Kinos.

2018 spielte Roberts in Who We Are Now von Autor und Regisseur Matthew Newton, der seine Weltpremiere 2017 beim Toronto International Film Festival gefeiert hatte und zur Auswahl des South by Southwest Film Festival 2018 gehörte. Außerdem stand sie für Autor und Regisseur Sam Boyds In a Relationship neben Michael Angarano vor der Kamera. Basierend auf Boyds gleichnamigem Kurzfilm geht es darin um die Dinge, die zwischen jungen Menschen stehen, worüber sie streiten und wovor sie Angst haben. Der Film wurde 2018 beim Tribeca Film Festival uraufgeführt.

2017 war Roberts in dem Horrorthriller Die Tochter des Teufels von Autor/Regisseur Osgood Perkins zu sehen, in dem sie und Kiernan Shipka zwei junge Frauen spielen, die an einem Mädcheninternat von einer bösen Macht verfolgt werden. Der Film feierte seine Premiere 2015 in Toronto und wurde von A24 Films in die Kinos gebracht. Im Jahr zuvor stand Roberts neben Dave Franco für den Cyberthriller Nerve, der Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman nach Vorlage des Romans von Jeanne Ryan, vor der Kamera.

Zwischen 2015 und 2016 spielte sie zwei Staffeln lang die Chanel Oberlin in der FOX-Horrorcomedy Scream Queens, die von den Glee-Schöpfern Ryan Murphy, Brad Flachuk und Ian Brennan stammte und außerdem mit Jamie Lee Curtis, Lea Michele und Abigail Breslin besetzt war.

2015 sah man Roberts neben Mickey Rourke und Nat Wolff in dem Indiefilm Ashby, der von Tony McNamara geschrieben und inszeniert wurde und der 2015 beim Tribeca Film Festival seine Weltpremiere feierte. Außerdem spielte sie zusammen mit James Franco und Zachary Quinto in I Am Michael nach dem New-York-Times-Magazine-Artikel „My Ex-Gay Friend“, der 2015 beim Sundance Film Festival gezeigt wurde.

2014 trat Roberts in Gia Coppolas Regiedebüt Palo Alto auf. In der Coming-of-Age-Geschichte spielt Roberts eine Highschool-Schülerin, die eine fragwürdige Beziehung mit ihrem von James Franco gespielten Fußballtrainer eingeht. Erstmals aufgeführt wurde der Film 2013 bei den Filmfestspielen Venedig und dem TIFF. Davor sah man sie in dem IFC-Indiefilm Adult World von Scott Coffey als aufstrebende junge Dichterin, die aufgrund der Wirtschaftslage gezwungen ist, einen Job in einem pornografischen Buchladen anzunehmen. Seine Premiere feierte der Film beim Tribeca Film Festival 2013, mit dabei sind außerdem John Cusack, Evan Peters und Cloris Leachman.

2013 trat Roberts in Rawson Marshall Thurbers Warner-Sommerkomödie Wir sind die Millers mit Jennifer Aniston und Jason Sudeikis auf, in der Sudeikis’ Figur eine falsche Familie zusammenstellt, um eine große Menge Marihuana über die mexikanische Grenze zu schmuggeln. Roberts spielte ein taffes Straßenmädchen, das sich als überamerikanische, brave junge Tochter ausgeben muss. Kurz danach war sie als Love Interest von Liam Hemsworth in Dito Montiels Krimidrama Empire State – Die Straßen von New York zu sehen.

Roberts gehörte neben der Originalbesetzung aus Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette zu der Neuauflage der Scream-Franchise von Dimension Films’ und Regisseur Wes Craven. Darin spielte sie Jill, die Cousine von Campbell und das neue Mädchen in einer Kleinstadt. Am Ende schockierte sie das Publikum, als sich ihr niedliches Mädchen von nebenan als die Mörderin herausstellte.

2010 sah man Roberts in Ryan Fleck und Anna Bodens von der Kritik gefeierter Focus-Features-Produktion It’s Kind of a Funny Story mit Zach Galifianakis und Viola Davis sowie an der Seite von Ed Harris und Jennifer Connelly in dem Indiefilm Virginia, der beim Toronto Film Festival uraufgeführt, von Dustin Lance Black inszeniert und von Gus Van Sant ausführend produziert wurde.

2010 gehörte Roberts zusammen mit Jessica Biel, Bradley Cooper, Patrick Dempsey, Jennifer Garner, Ashton Kutcher, Carter Jenkins und Julia Roberts zum Ensemble der romantischen Komödie Valentinstag. Es war die zweite Zusammenarbeit für Jenkins und Roberts nach Unfabulous, wo sie ein junges Paar spielten, das darüber nachdenkt, einen entscheidenden Schritt in ihrer Beziehung zu gehen. Regie führte Garry Marshall.

2009 führte Roberts den DreamWorks-Erfolg Das Hundehotel als eines von zwei Waisenkindern an, die ein altes verlassenes Hotel in eine traumhafte Unterkunft für Straßenhunde verwandeln. Der Film mit Lisa Kudrow und Don Cheadle in weiteren Rollen spielte weltweit mehr als 117 Mio. $ ein.

Im Sommer 2007 verhalf Roberts in der Titelrolle von Nancy Drew – Girl Detective den klassischen Teenager-Detektivromanen unter Regie von Andrew Fleming und produziert von Jerry Weintraub zu ihrem Debüt auf der großen Leinwand. Im gleichen Jahr wurde sie als ShoWest Female Star of Tomorrow geehrt. Im Jahr zuvor spielte Roberts in dem Fox-2000-Film Aquamarin – Die vernixte erste Liebe nach dem Roman von Alice Hoffman, in dem zwei Teenagerinnen nach einem Hurrikan über ihrer Küstenstadt eine Meerjungfrau finden. Inszeniert hatte Elizabeth Allen und produziert Susan Cartsonis.

Von 2004-2007 war Roberts als Addie Singer in der Nickelodeon-Erfolgscomedy Unfabulous von Sue Rose zu sehen. Zu jener Zeit war die Geschichte eines jungen Mädchens, das damit kämpft aufzuwachsen, dazugehören und beliebt zu sein eine der bestbewerteten „Tween“-Serien im Fernsehen.

Nach ihrem ersten Vorsprechen holte Roberts sich die Rolle der Tochter von Johnny Depp und Penélope Cruz in Blow, den der inzwischen verstorbene Ted Demme für New Line Cinema inszeniert hatte. Kurz darauf spielte sie in dem Sundance-Kurzfilm Big Love von Leif Tilden und mit Sam Rockwell sowie neben Joey Lauren Adams eine der Hauptrollen in dem Indiefilm Grand Champion von Regisseur Barry Tubb.

Zu ihren weiteren Filmen gehören Ein Rezept für die Liebe mit Hayden Christensen, Gavin Wiesens Von der Kunst, sich durchzumogeln mit Freddie Highmore und Michael Angarano, Celeste & Jesse mit Rashida Jones, Noel Clarkes Thriller 4.3.2.1., Joel Schumachers Twelve, Lymelife von Produzent Martin Scorsese und The Winning Season mit Sam Rockwell.

Jüngst lieh Roberts ihre Stimme dem Animationsfilm Uglydolls, in dem es um Akzeptanz, Diversität, Freunde und Freundschaft geht und der im Mai 2019 von STX Entertainment veröffentlicht wurde.

Ursprünglich aus New York lebt Roberts zurzeit in Los Angeles.

Die gefeierte Film-, TV- und Bühnenschauspielerin AMY MADIGAN (Ma) wurde für ihre Rolle in Zweimal im Leben für einen Oscar als Beste Nebendarstellerin nominiert. Außerdem war sie als Kunstförderin Peggy Guggenheim in Pollock zu sehen sowie in American Woman mit Sienna Miller, Stuck mit Giancarlo Esposito, Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel, Feld der Träume, Allein mit Onkel Buck und Straßen in Flammen. Demnächst spielt sie für Fox Searchlight an der Seite von Keri Russell in Antlers.

Im Fernsehen wurde Madigan mit ihrer Leistung in dem Film Roe v. Wade für Golden Globe und Emmy nominiert. Außerdem war sie zu sehen in J.J. Abrams’ Fringe – Grenzfälle des FBI, Grey’s Anatomy, The Laramie Project und der HBO-Serie Carnivàle. Aktuell steht sie für John Logans Penny Dreadful: City of Angels von Showtime vor der Kamera.

Am Theater feierte Madigan ihr West-End-Debüt mit Sam Shepards Vergrabenes Kind, das ursprünglich von der New Yorker New Group stammte. Sie spielte in den vielgelobten Produktionen von Beth Henleys The Jacksonian von der New Group und dem Geffen Playhouse in Los Angeles. Andere Bühnenwerke waren u.a. Endstation Sehnsucht am Broadway, A Lie of the Mind vom Mark Taper Forum und The Lucky Spot vom Manhattan Theatre Club.

REED BIRNEY (Pop) ist bereits seit Jahrzehnten in Film, Fernsehen und Theater tätig. Zu seinen frühesten Arbeiten zählen Albert Innauratos Komödie Gemini 1976 Off Broadway und Arthur Penns Film Vier Freunde von 1981.

Dieses Jahr ist Birney in der Apple-Serie Home Before Dark zu sehen. Außerdem war er jüngst mit zwei Filmen beim Sundance Film Festival vertreten: Lost Girls und The 40-Year-Old Version. Davor drehte Birney das Indie-Waffengewaltsdrama Mass mit Ann Dowd, Jason Isaacs und Martha Plimpton. Im Fernsehen kennt man ihn vor allem als Vizepräsident Donald Blythe in der Netflix-Serie House of Cards.

Am Theater wurde Birney jüngst für The Humans mit einem Tony ausgezeichnet. Darüber hinaus konnte er zahlreiche weitere Preise und Nominierungen sammeln, u.a. für Casa Valentina, Man From Nebraska, Onkel Wanja, Zerbombt und Circle Mirror Transformation

Birney lebt in New York.

Über die Filmemacher/innen

CRAIG ZOBELs (Regie/Ausführende Produktion) bisher drei Spielfilmarbeiten wurden allesamt beim Sundance Film Festival uraufgeführt. Great World of Sound brachte ihm einen Gotham Award als Regienewcomer ein sowie Nominierungen für Bestes Debüt und Besten Nebendarsteller bei den Independent Spirit Awards. Der von der Kritik gefeierte Compliance gewann beim Locarno Film Festival den Spezialpreis der Jury, wurde für einen Critics’ Choice Award nominiert und erhielt einen Independent Spirit Award für die Beste Nebendarstellerin Ann Dowd. Z For Zachariah mit Chiwetel Ejiofor, Chris Pine und Margot Robbie feierte seine Premiere in der Sundance-Sektion U.S. Dramatic Competition und wurde von Roadside Attractions gekauft.

Im Fernsehen tut sich Zobel zurzeit erneut mit HBO für einen Zwei-Jahres-Vertrag zusammen. Sein nächstes Projekt als Regisseur und Ausführender Produzent ist die 7-teilige Miniserie Mare of Easttown mit Kate Winslet, die aktuell gedreht wird. In dem Drama geht es um eine Kleinstadtpolizistin, die einen Mord aufklären will, während ihr eigenes Leben zerbricht. Zobel war der einzige Regisseur und der Showrunner der CBS-All-Access-Miniserie One Dollar und er hat die Shogun-Welt-Episode „Akane no Mai” in Staffel 2 von Westworld inszeniert. Seine Episode der Neil-Gaiman-Adaption American Gods von Starz wurde mit Lob überschüttet und eine seiner Folgen für den HBO-Kritikererfolg The Leftovers – mit dem Titel „International Assassin” – wurde von Screenrant auf Platz 4 der Besten TV-Episoden des Jahrzehnts gelistet. 

Ergebnis von Zobels Arbeit als Produzent waren Prince Avalanche von seinem engen Freund David Gordon Green, der auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, und Dash Shaws Animationsfilm My Entire High School Sinking Into the Sea, der 2016 bei den Filmfestivals von Toronto und New York gezeigt wurde. Vor Ewigkeiten schuf Zobel außerdem mit seinen ältesten und engsten Freunden Matt und Mike Chapman Homestar Runner.

DAMON LINDELOF (Drehbuch/Produktion) wurde in New Jersey als Sohn einer Lehrerin und eines Bankers geboren. Davon abgesehen war er der geborene Autor, wenn sich das auch erst 25 Jahre später zeigen sollte. Im Jahr 2004 schuf er gemeinsam mit J.J. Abrams Lost. Nein, sie waren nicht die ganze Zeit schon tot. Seit Lindelof die Insel verlassen hat, hat er als Autor und Produzent an Star Trek, Prometheus, World War Z und A World Beyond gearbeitet. Nach seiner Rückkehr zum Fernsehen 2014 verbrachte Lindelof drei Staffeln als Showrunner der vielgelobten HBO-Serie The Leftovers, die er erbittert verteidigt als „nicht so deprimierend, wie alle sagen“. Jüngst hat er die Arbeit an der HBO-Serie Watchmen abgeschlossen, die er erbittert verteidigt als „nicht so verwirrend, wie alle sagen“. Außerdem hat Lindelof diese Kurzbio geschrieben.

NICK CUSE (Drehbuch/Ausführende Produktion) ist ein Drehbuchautor und Produzent aus dem kalifornischen Santa Monica. Begonnen hat er seine Karriere als Autor an der gefeierten HBO-Serie The Leftovers. Außerdem war er schreibend und produzierend an der Netflix-Serie Maniac mit Jonah Hill und Emma Stone beteiligt sowie an Watchmen auf HBO. Aktuell ist Cuse Autor und Ausführender Co-Produzent der Serie Station Eleven, die 2021 von HBO Max veröffentlicht werden soll.

JASON BLUM (Produktion) ist Gründer von Blumhouse Productions sowie ein dreifach Oscar-nominierter, zweifach Emmy-prämierter und zweimalig mit dem Peabody Award ausgezeichneter Produzent. Seine Multimediafirma ist bekannt dafür, einem völlig neuen Modell der Studioproduktion den Weg bereitet zu haben: der Realisation von hochwertigen Mikrobudgetfilmen. 

Blumhouse wird weithin als treibende Kraft hinter der derzeitigen Horror-Renaissance betrachtet. Zu den kommenden Titeln der Firma zählen Run Sweetheart Run von Shana Feste und The Vigil von Regisseur Keith Thomas. Mit Blumhouse zählen zu Blums Spielfilmarbeiten u.a. Leigh Whannells Der Unsichtbare mit Elisabeth Moss, Fantasy Island, Ma – Sie sieht alles mit Octavia Spencer, Black Christmas von Regisseurin Sophia Takal, Glass von M. Night Shyamalan sowie dessen Split, Get Out von Jordan Peele, BlacKkKlansman, The Gift, Unknown User, The Visit sowie die überaus ertragreichen Franchises The Purge, Halloween, Insidious, Sinister und Paranormal Activity.

Blums Fernsehfirma unter Leitung von Marci Wiseman und Jeremy Gold startete vor drei Jahren erfolgreich neu als lebendiges Independent-Studio mit 11 realisierten Serien und über 100 Mio. $ an jährlichen Einnahmen. Blumhouse Television arbeitet aktuell an über 10 Projekten mit verschiedenen Sendern und Streaming-Plattformen, darunter Sharp Objects, The Loudest Voice, Sacred Lies und The Purge nach dem erfolgreichen Kinofranchise. Zurzeit steckt die Firma in der Produktion von Into the Dark, einer einzigartigen fortlaufenden monatlichen Horror-Anthologieserie, und hat außerdem kürzlich einen Deal für eine Reihe von acht Streaming-Filmen unterrepräsentierter Filmemacher und Filmemacherinnen abgeschlossen. Das Indiestudio hat viel Kritikerlob erhalten, darunter einen Golden Globe und einen Critics’ Choice Award für Sharp Objects sowie Emmys für die Produktionen von The Normal Heart und Der Unglücksbringer: Das Leben und die Tode des Robert Durst. The Good Lord Bird, eine Showtime-Miniserie mit Ethan Hawke wird noch dieses Jahr erscheinen. Zum Repertoire der Abteilung gehören außerdem Dokumentarfilme, darunter This Is Home, Gewinner des Sundance-Publikumspreises 2018 und des renommierten duPont/Columbia Journalism Awards, sowie die gefeierte Doku Bathtubs Over Broadway.

Das Magazin TIME listete Blum als einen der 100 einflussreichsten Personen der Welt und Vanity Fair setzte ihn auf seine „New Establishment List“. 2016 erhielt er den Producer of the Year Award der CinemaCon. Er sitzt im Vorstand des Public Theater in New York und ist Kuratoriumsmitglied sowohl des Sundance Institute als auch des Academy Museum of Motion Pictures.

Independent-Produzent STEVEN R. MOLEN (Ausführende Produktion) hat sich den Weg durch die verschiedenen Ebenen der Filmproduktion heraufgearbeitet und sich dabei Fähigkeiten in der Produktion von Spielfilmen wie auch Visuellen Effekten angeeignet. Er war Senior Vice President von DreamWorks und 15 Jahre lang Leiter der Produktion, als welcher er sämtliche Aspekte von über 80 Filmen betreute, darunter American Beauty, Ring, Die Eisprinzen, Terminal, Real Steel, Disturbia, Dreamgirls, Transformers, The Help und She’s the Man – Voll mein Typ!

Molen hat als Produktionsberater an diversen Studio- wie auch Independent-Filmen mitgewirkt. Als Ausführender Produzent hat er u.a. fungiert bei Paranormal Activity 5: Ghost Dimension, The First Purge und jetzt THE HUNT.

COUPER SAMUELSON (Ausführende Produktion) ist Präsident der Spielfilmabteilung von Blumhouse Productions und als solcher verantwortlich für den Filmausstoß. Samuelson trat der Firma 2011 bei, zu Beginn ihres First-Look-Deals mit Universal Pictures. Seit seiner Einstellung bei Blumhouse hat Samuelson über 60 Filme mit einem Budget zwischen 200.000 und 25 Mio. $ betreut.

Er hat geholfen, dem Erfolgsbeispiel von Paranormal Activity (einem 15.000$-Film, der weltweit 200 Mio. $ eingespielt hat) zu folgen und eine ganze Reihe von Produktionen zu realisieren, die nicht selten die kostengünstigsten und dabei gleichzeitig profitabelsten Filme von Studios wie Sony (Insidious), Paramount (Paranormal Activity), STX (The Gift), Sony Classics (Whiplash), HBO (The Normal Heart), Warner Bros. (Gallows – Jede Schule hat ein Geheimnis) und Universal Pictures (The Purge – Die Säuberung, Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel und Happy Deathday) waren. In seinem ersten Jahr bei Blumhouse brütete Samuelson Whiplash aus, indem er mithilfe von Firmenmitteln einen Kurzfilm produzierte, aus dem schließlich der am niedrigsten budgetierte Spielfilm der Hollywood-Geschichte wurde, der je drei Oscars gewonnen hat. 2015 ermöglichte und betreute er zwei vielgelobte Erfolgsfilme von Regie-Newcomern: The Gift, für den Joel Edgerton eine Directors‘-Guild-Award-Nominierung erhielt, sowie den Oscar-gekrönten Get Out von Jordan Peele. Trotz des starken Genrefokus haben die Filme von Blumhouse über die letzten fünf Jahre fünf Oscars gewonnen.

Samuelson hat in der Folge das Betätigungsfeld der Firma erweitert und ihr Repertoire um starbesetzte Dramen, Familienfilme, gewaltige Actionfilme und Komödienhits wie das Franchise Happy Deathday ergänzt sowie auch die Halloween-Reihe erfolgreich neugestartet.

Begonnen hat Samuelson seine Karriere bei Mark Cubans 2929 Productions, wo er vom Assistenten zum Leiter der Filmabteilung aufstieg. Während Samuelsons Beschäftigungsdauer realisierte die Firma u.a. die Cormac-McCarthy-Adaption The Road sowie den als Bester Film Oscar-nominierten Good Night, and Good Luck.

Co-produziert hat er u.a. James Grays Helden der Nacht – We Own the Night und Two Lovers, die beide für die Goldene Palme der Filmfestpiele in Cannes nominiert wurden. Samuelson schloss sein Harvard-Studium mit einem Bachelor in Geschichte und Literatur sowie in Romanischen Sprachen und Literaturen ab.

JEANETTE VOLTURNO (Ausführende Produktion) ist die ehemalige Leiterin der Produktion von Blumhouse Productions, der Multimediafirma, die bekannt ist für ein völlig neues Modell der Studioproduktion: hochwertige Mikrobudgetfilme. 

Volturno, die mehr als 25 Jahre Produktionserfahrung besitzt, trat der Firma im Jahr 2012 bei und hat seitdem an über 60 Spielfilmprojekten mitgearbeitet, u.a. Get Out, der 2018 für vier Oscars nominiert war, darunter Bester Film, und die Trophäe für das Beste Originaldrehbuch gewann, Halloween, der im gleichen Jahr den zweiterfolgreichsten Kinostart eines Horrorfilms (76 Mio. $) nach ES hinlegte, Spike Lees BlacKkKlansman, der 2019 für sechs Oscars nominiert war, darunter als Bester Film, und für das Beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet wurde, das überaus erfolgreiche Purge-Franchise sowie Whiplash, der für fünf Oscars nominiert war und drei davon erhielt – für den Besten Nebendarsteller (J.K. Simmons), den Besten Schnitt und die Beste Tonmischung.

Volturno und Blum arbeiteten das erste Mal zusammen, als sie Herstellungsleiterin bei dem immens erfolgreichen Paranormal-Activity-Franchise war. Außerdem arbeitete sie an James Wans Insidious sowie an Barry Levinsons Umweltthriller The Bay – Nach Angst kommt Panik. Diese Filme halfen dabei, den Grundstein zu legen für die erfolgreiche Firma, die Blumhouse heute ist.

1999, vor ihrer Arbeit mit Blum, gründete Volturno Catchlight Films. Dort agierte sie als Ausführende Produzentin der romantischen Komödien In the Weeds und Amys Orgasmus. Außerdem produzierte sie die Dokumentationsreihe World Festival of Sacred Music, die inspiriert und moderiert wurde von Seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama.

Vor der Gründung von Catchlight war Volturno eine von zwei Amerikanerinnen, die rekrutiert wurden, um Tony und Ridley Scotts Firma Mill Film in London zu etablieren. Das erlaubte es ihr, auf weltweitem Niveau im Film zu arbeiten. Während ihrer ersten zwei Jahre im Ausland (1997-1999) half sie, eine neue Filmabteilung einzurichten und arbeitete an Lost in Space, Lang lebe Ned Devine!, Der Staatsfeind Nr. 1, Hilary & Jackie und Still Crazy.

Ursprünglich hatte Volturno die Branche bei Sony Pictures Imageworks als Visual-Effects-Koordinatorin an James und der Riesenpfirsich betreten. Diese Gelegenheit verschaffte ihr das technische Grundwissen für die neuen digitalen Medien, die bei der Filmarbeit verwendet werden. Sie bleib zwei Jahre lang bei Sony und war in Projekte wie Money Train und Michael involviert.

Volturno hat an der UCLA Weltkünste und Kulturen studiert, was der perfekte Schnittpunkt für ihre Liebe für das Reisen und verschiedene Kulturen war.

Der gebürtige Ire DARRAN TIERNAN (Kamera) begann in der Werbewelt und lebt zurzeit in Los Angels. Seit seinen Anfängen hat er an erstklassigen TV-Serien wie Westworld und Perry Mason auf HBO und Star Trek: Picard auf CBS gearbeitet. Aktuell dreht er Foundation für Apple TV und danach die dritte Staffel von Barry für HBO.

Als Cutterin von sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilmen ist JANE RIZZO (Schnitt) ständige Mitarbeiterin von Craig Zobel. Zu ihrer Filmographie zählen die preisgekrönten Filme Leave No Trace und Z for Zachariah sowie die Sundance-Hits Compliance, The Saints – Sie kannten kein Gesetz und Great World of Sound. Ihre Schnittarbeiten wurden auf Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt, darunter in Cannes, Venedig, Sundance und New York.

Zu ihren Fernsehprojekten zählen die HBO-Hits Succession und High Maintenance, Zobels One Dollar auf CBS, The Get Down für Netflix und Dickinson für Apple TV+.

Geboren in Italien hat Rizzo einen Abschluss von der University of North Carolina School of the Arts.

Kostümbildner und Stylist DAVID TABBERT (Kostümbild) arbeitet bereits seit 14 Jahren für Film und Fernsehen. Rückblickend war es schon in jungem Alter klar, dass eine Karriere mit Kostümen das Richtige war. Seine frühesten Stileinflüsse waren Punky Brewster, Boy George und Axl Rose. Aufgewachsen in einer eintönigen Vorstadt und nicht in die gesellschaftlichen Formen passend floh er mit 21 nach New York. Dort begann seine Karriere mit dem Stylen von Musikvideos und der Koordination von Fashionshows.

Tabbert ist stolz, Teil der Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum des Alien-Franchise gewesen zu sein, indem er die Kostüme für den Kurzfilm Alien: Harvest entworfen hat. Ebenfalls von ihm stammen die Kostüme der nacherzählten Sequenzen der HBO-Dokuserie Der Unglücksbringer: Das Leben und die Tode des Robert Durst. Das Magazin Variety lobte Tabbert für seine Arbeit an Martha Marcy May Marlene und feierte seine Kostüme, für ihr „Ausleuchten des inneren Aufruhrs der Charaktere“. Zurzeit schlägt er sich durch den Winter in den Catskills, wo er die Ubisoft-Produktion Werewolves Within unter Regie von Josh Ruben abdreht.

Ist er nicht in New York oder auf Reisen, befindet er sich mit seinen zwei geliebten Partnern in Pittsburgh und hilft oft freiwillig bei der Humane Animal Rescue aus.

Der zweifach Emmy-nominierte Komponist NATHAN BARR (Musik) hat für seine unübertroffene Vielseitigkeit bei der Einarbeitung verschiedenster Instrumente aus musikalischen Kulturen auf der ganzen Welt viel Begeisterung erhalten. Diese typische Vielseitigkeit demonstrierte er jüngst in dem Fantasy-Historiendrama Carnival Row von Amazon Studios/Legendary Television mit Orlando Bloom und Cara Delevingne, dem Emmy-prämierten Drama Fosse/Verdon und dem kommenden Miramax-Film Uncle Frank, den Alan Ball geschrieben und mit Paul Bettany inszeniert hat. Zurzeit ist Barr schwer beschäftigt mit der Komposition für die kommende Hulu-Serie The Great mit Elle Fanning und Nicholas Hoult sowie für Ryan Murphys kommendes Netflix-Drama Hollywood.

Barrs ihm eigene Anpassungsfähigkeit brachte ihm Aufträge in einer Reihe sehr unterschiedlicher Serienerfolge ein. So arbeitete er an allen sechs Staffeln von The Americans mit Keri Russell und Matthew Rhys, was ihm eine Emmy-Nominierung für die Beste Titelmusik einbrachte, an allen sieben Staffel der Emmy-prämierten und von den Fans verehrten HBO-Serie True Blood sowie an Hemlock Grove auf Netflix, wofür er seine zweite Emmy-Nominierung für ein Titelthema erhielt. 2018 kehrte Barr für die dritte Staffel von Amazons gefeiertem Betrügerdrama Sneaky Pete mit Giovanni Ribisi zurück sowie für die zweite Staffel des AMC-Mehrgenerationen-Westerns The Son mit Pierce Brosnan.

Mit seinen Emmy-Nominierungen für The Americans und Hemlock Grove, gelang es Barr als erstem Komponisten überhaupt, im gleichen Jahr zweimal in der Kategorie Beste Titelmusik nominiert zu sein.

Neben seiner ausführlichen TV-Laufbahn kann Barr auch auf eine erfolgreiche Kinokarriere zurückblicken, während er sich seinem 40. Filmmusikprojekt nähert. Als Weggefährte von Gore-Horror-Meister Eli Roth hat er die Musik für dessen frühe Kultfilme Cabin Fever und Hostel geschrieben sowie 2018 für Roths Familienhorrorfilm Das Haus der geheimnisvollen Uhren, der von Amblin und Universal vertrieben wurde und mit Jack Black und Cate Blanchett besetzt war. Außerdem hat Barr für Jason Blums Kassenerfolg The Boy Next Door mit Jennifer Lopez komponiert sowie 2017 für das Columbia-Sci-fi-Drama Flatliners mit Kiefer Sutherland, Ellen Page und Nina Dobrev.

Zusätzlich zum Schreiben seiner Filmmusiken spielt Barr selbst viele der Instrumente, die in seinen Partituren zu hören sind und beherrscht unzählige Stile von Orchester bis zu Rock. Er ist bekannt für seine Sammlung und Einbindung so seltener wie ungewöhnlicher Instrumente aus aller Welt, darunter eine Trompete aus menschlichen Knochen aus Tibet, demontierte Klavieren, eine seltene Glasmundharmonika und Kalebassencellos. Das Juwel seiner Sammlung ist eine dreihändige, 19-stufige Wurlitzer Theaterorgel mit 1.366 Pfeifen. Die Orgel war von 1928 bis 1998 im Tonstudio von 20th Century Fox zuhause und ist in Dutzenden Kompositionen so legendärer Komponisten wie Bernard Herrmann, Alex North, Jerry Goldsmith und John Williams zu hören. Jetzt ist sie das Herzstück von Barrs neu gebauten Bandrika Studios, einem 740-m²-Ton- und Aufnahmestudio, das Barr als ständiges Zuhause seines geschichtsträchtigen Instrumentes auserkoren hat. Nach Berichten in Variety und dem Wall Street Journal hat Bandrika sich schon jetzt als Aufnahmeraum von Weltklasse etabliert und fügt sich nahtlos in Barrs wachsend einmalige Palette ein.

Barr lebt aktuell in Los Angeles.

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